Utiliaria, Göttin des wirtschaftlichen Nutzens

Utilaria wird meist mit einer Schriftrolle dargestellt, die sie dem Autor weggenommen hat. Sie reicht ihm dafür einen nützlicheren Gegenstand (Diese Gegenstände wandeln sich mit den Epochen – in dieser Darstellung aus dem 18. Jahrhundert ist es eine Flöte, denn Flötenschnitzer waren damals eine sehr angesehene Zunft).

Utilaria prangert das wirtschaftliche Unvermögen des Autors an und schlägt ihm gleichzeitig vor, etwas zu tun, wovon man leben kann.

Promisia, Göttin der geförderten Jungautorinnen

Sie wird dem literarischen Umkreis von Seriousus zugerechnet, wo ihre poetischen Einwürfe stets als Vorbote irgendeines großen, kommenden Werks gesehen werden. Die leere Schüssel, mit der sie dargestellt wird, symbolisiert einerseits die finanzielle Förderungswürdigkeit, andererseits die literarische Fähigkeit, dem Nichts eine Form zu geben, die Inhalt verspricht.

Promisia tritt in einer Vielzahl von Gestalten auf, siehe FAZ Hochschulanzeiger Nr. 83, 2006:

Sie lässt sich Agnes oder Felicitas rufen und veröffentlicht unter diesem Namen auch ihren ersten Kurzgeschichtenband, der einen schlichten Titel wie „Licht“ oder „Mutter“ trägt und in dem Menschen in winterlichen Altbauwohnungen rauchend Sex haben und trotzdem nicht ineinander verliebt sind, sondern „irgendwie auf der Suche“. Wird sie in Interviews auf das Thema Sex angesprochen, reagiert sie genervt ob dieser ewigen Reduktion. Kommt das Thema nicht zur Sprache, fängt sie von selbst an, davon zu berichten, wie autobiographisch die Sexszenen in ihrem Buch sind – und ja, sie habe auch schon gleichgeschlechtliche Erfahrungen gemacht, das fände sie schon reizvoll, aber nicht aus Modegründen natürlich.

(Promisia bitte keinesfalls mit Lyrelda zu verwechseln, der Göttin der Selbständigkeit, die ebenfalls dem Umkreis von Seriousus entsprungen ist.)

Lyrelda, Göttin der Selbständigkeit

Lyrelda im Widerstreit mit dem Lehrer, dem sie alles bisherige zu verdanken hat: Sie wehrt die Hand ab, die ihr vorhin noch Hilfe und Stütze war. Das ist ihr Wachstum.

Die Sage von Lyelda handelt vom Loslösen, vom künstlerischen Reifen. Seriousus, ihr Lehrer, wird – eben weil er es gut mit ihr meint – zum größten Hinderer. Er will Lyrelda vor Fehlern bewahren – aber Neues kann nur dann entstehen, wenn es radikal ist. Wenn Lyrelda keine Rücksichten mehr nimmt, nicht auf sich selbst, nicht auf ihren Lehrer.

Seriousus, Gott der alternden Literaten

Seriousus ist Gott der Autoren, die ihren Schaffenszenit hinter sich gelassen haben. Ihnen ist ihr Ruf wichtig, den sie mit allem verteidigen, außer mit literarischen Werken.

Seriousus umgibt sich mit Gefährten, die stets in dasselbe Horn stoßen und seiner Literaturkritik hörig sind (in obiger Skulpturengruppe rechts).

Lyrelda, Schutzpatronin der jungen Poetinnen, hat Hand an den Oberschenkel von Seriousus gelegt, während er über „Emotion in der Literatur“ doziert (links).

Der Sage nach vollendete Lyrelda entgegen dem Ratschlag Seriousus ihren Roman. Daraufhin verwarf er sich mit ihr und spendete seine Nähe fortan anderen Poetinnen (etwa der blutjungen Analia). Als es Lyrelda gelang, mit ihrem Werk in den Olymp aufzusteigen, durfte niemand im Umkreis Seriousus ihren Namen auch nur erwähnen.

Xo, Gott des Kürzens

Xo war ein Adler.

Als Bestrafung für die Zeitverschwendung, die Zeus beim Durchlesen von Prometheus‘ Romanmanuskript erlitten hatte, wurde Prometheus angekettet. Er musste zusehen, wie Xo aus seinem Roman all die goldenen Worte herauspickte, an denen Prometheus so sehr hing. Alle drei Monate musste Prometheus eine neue Fassung des Roman schreiben, und immer wieder kam Xo und riss ihm die Worte heraus. Da es damals noch keinen Eigenverlag gab, ging die Tortur so lange weiter, bis Prometheus das Schreiben aufgab und den Göttern das Feuer stahl, um sein Werk zu verbrennen (Wegen dieses Diebstahls bekam er wieder Probleme, aber das ist eine andere Sage).

Maniacus, Gott der Getriebenen

Maniacus mit den aufgerissenen Augen, mit dem leeren Blick nach durchschriebener Nacht: So wird er üblicherweise dargestellt, meist gemeinsam mit einer erschöpften Muse.

Maniacus ist der Autor, der nicht mittendrin aufhören kann. Aber in einem Roman ist man monatelang oder jahrelang mittendrin – etwas, das Maniacus nicht wahr haben will. Jede verflossene Nacht ist eine Nacht des Scheiterns für ihn, weil er es wieder nicht geschafft hat, sein Werk zu vollenden.