Erfolglos schreiben: Versuche!

Versuche, witzig zu schreiben. Versuche, sarkastisch oder spannend zu scheiben. Versuche, einen Roman, Kurzgeschichten, Poesie zu schreiben.

Was immer du willst, versuche es! Denn: im Versuchen liegt das Scheitern.

(Du kannst das leicht nachprüfen, indem du versuchst, dich auf einen Sessel zu setzen. Mach das zehn Minuten lang, ohne jedoch dich niederzusetzen. Diese Übung zieht ganz schön in den Oberschenkeln, aber du erkennst den Unterschied zwischen etwas zu versuchen und etwas zu tun. Darum sag nicht: „Ich schreibe einen Roman“ sondern sag: „Ich versuche, einen Roman zu schreiben“.)

Erfolglos schreiben: Meide Familienthemen.

Wozu brauchen deine Romanfiguren Mutter oder Vater?

Du brauchst diese leidigen Familienthemen nicht (außer, die Eltern kommen im Zuge des Romans um oder du schreibst über ein Adelsgeschlecht). Denn Familienthemen gleiten leicht ins Autobiografische, und schließlich schreibst du ja, um deinen Eltern etwas zu beweisen und nicht, um dich mit ihnen auseinander zu setzen.

Erfolglos schreiben: Sei redundant.

Wiederhole das eben gesagte, und damit es auch der dümmste Leser kapiert, wiederhole das eben gesagte und sei redundant.

Redundanz kann vielgestalt sein und sich erst im zweiten Blick eröffnen. Beispiele: „Ein kleiner Tropfen hing an seiner Nasenspitze“ oder „Plötzlich schoss das Auto um die Ecke“ oder „Die Sonne brannte heiß in seinem Nacken“.

Erfolglos schreiben: Es gibt so viele Literaten, die schlechter schreiben als du!

Es gibt so viele schlechte Bücher, die bei großen Verlagen veröffentlicht sind. Und Bestseller geworden sind.

Warum also tust ausgerechnet du dir diesen Perfektionismus an? Mach es dir doch nicht so schwer.

Und hör endlich auf, deinen Text zu überarbeiten!

Erfolglos schreiben: Du brauchst nicht in dich hineinschauen.

Wozu sollst du deine Seele ergründen, wo du doch bloß ein Buch schreiben willst? Du machst ja keine Selbstbiografie für deine Enkel. Wen interessiert denn schon das Ringen mit deiner Mutter oder wie du dein Kind wickelst oder warum du schreibst?

Nimm Marguerite Duras zum Beispiel. Ihren dünnen Roman aus 1984 nannte sie ja auch nicht „ma mère“, weil es schließlich nicht um die Mutter, sondern um Sex mit einer Minderjährigen geht.

Dein persönliches Wachstum geht nicht mit dem Fortschritt deines Romans einher. Dein Leben ist auch keine Schatzkiste, in die du hineingreifen kannst. Dein Leben ist deines, und dein Buchprojekt ist ein Projekt eben. Literatur berührt nicht, bloß weil die Gefühle aus den Tiefen des Autors kommen – Literatur ist spannend oder unspannend. Punkt.

Lass dich nicht von Gerüchten verunsichern, die von Autoren stammen, die Margit Schreiner mögen.