Türkischer Kaffee. Oder: Den Krieg haben sie wohl nicht wegen der Sprachunterschiede geführt.

Letztens war ich bei einer Freundin eingeladen, und sie machte für mich sehr guten, türkischen Kaffee. Sie hatte den Kaffee aus Serbien bekommen.

Kaffee aus Serbien

Ich sah mir die Gebrauchsanleitung an. Sie war viersprachig.

Mehrsprachige Beschreibung der Zubereitung

Den einzigen Unterschied, den ich an den Beschreibungen in serbisch, bosnisch und montenegrinisch ausmachen konnte, war ein zusätzliches Wort in der serbischen Fassung.

Das Wort lautete: pržene („geröstet“).

Worte sind schon eine gewaltige Waffe. Beispiel einer Selbstzerstörung.

Edouard Manet: Le Suicidé

In meinen Schreibwerkstätten war einer meiner Lieblingsübung, die Teilnehmenden eine SMS schreiben zu lassen, die beim Empfänger ein Maximum an Emotion auslösen soll.

Hier nun ein gutes Beispiel.

1385288975790-tumblr-inline-my5py6I9AH1qd5mwd

Geschrieben von Justine Sacco, Communication Director bei IAC, die diese Worte twitterte, sich danach ins Flugzeug setzte – und nach der Landung war ihre Karriere tot. Alles weitere ist hier nachzulesen.

Fehlermeldungen als Haiku

A file that big?
It might be very useful.
But now it is gone.

You step in the stream,
but the water has moved on.
This page is not here.

Out of memory.
We wish to hold the whole sky,
But we never will.

Having been erased,
The document you’re seeking
Must now be retyped.

First snow, then silence.
This thousand dollar screen dies
so beautifully.

Quelle: www.gnu.org/fun/jokes/error-haiku.html

Dschi-Dsche-i Wischer: Manchmal wuchtelweich vor Freude.

Ein Wesen, das genauso aussieht, wie es sich der Zuhörer vorstellt.

So ist es doch in der Literatur, nicht wahr? Nicht der Autor schafft die Personen. Sondern der Leser. Und jeder Leser auf seine unvergleichbar eigene Art. Darüber spricht Dschi-Dsche-i in diesem Video.

Für mich ist er ein Stück Kindheit. Zehn vor sieben lief er an jedem Schulmorgen auf Radio Ö3.

(Für die, die ihn nicht kennen: er stammt von Christine Nöstlinger.)

Aus der 237teiligen Serie: Was es so alles gibt bei Worten. Heute: Das rekursive Akronym

Als rekursives Akronym bezeichnet man eine Abkürzung, die in der Erklärung ihrer Bedeutung rekursiv auf sich selbst verweist, d. h. paradoxerweise seine eigene Abkürzung als Teil des ausgeschriebenen Begriffs enthält.

Quelle: Wikipedia

Ich weiß noch nicht, wie mich diese Information betrifft.

Ist vielleicht ein Aufruf für mehr Rückbezüglichkeit in der Sprache. Dieses postmoderne Zeug meine ich – also den Text zum Inhalt des Texts machen, die Arbeit am Text zum Teil der Handlung des Texts machen.

Vielleicht auch nicht.