Die literarische Arbeit im Kollektiv

15:00 bis 23:45. GRAUKO-Treffen in Graz. Anfangs Organisatorisches wie die Planung des kommenden Jahres (Lesungen, Treffen). Die literarische Arbeit beginnt mit einer thrillerhaften Kurzgeschichte (bald ist sie auf www.grauko.com zu lesen). Als nächstes widmen wir uns einer Kurzgeschichte und danach einem Roman. Die Autorin liest eine Textprobe, und nach dem Feedback überarbeiten gemeinsam die Handlung und die Personen – wir können einiges vereinfachen und den Roman von unnötigen Nebensträngen befreien. Wir reden und essen und trinken und malen mit Kreide die wichtigsten Zusammenhänge auf eine Tafel.

Mindmap Offene Punkte 2009-10-11
Meine Roman-Mindmap mit offenen Themen, Fragen, Ideen

Danach arbeiten wir an meinem Roman. Ich trage eine konkrete Frage an das Kollektiv: Wenn eine Frau ohne Vater aufwächst, was ist dann anders? Wie sehen ihre Beziehungen aus? Die Beziehung zur Mutter, zu den Männern? Was fehlt ihr? Wie äußert sich das? Ich notiere alles in meiner Mindmap „Offene Punkte“. – Es ist so viel, das muss ich erst einmal ordnen, für mich: 1) Die Verhaltensmuster meinen Personen zuordnen, 2) mir die Auswirkung der Verhaltensmuster auf den Lebenslauf überlegen (Beruf, Reihenfolge von Beziehungen) und 3) die Auswirkungen auf den Alltag mit seinen Kleinigkeiten überlegen. Puh. Viel zu tun. Toller nächster Schritt.

Das Kollektiv GRAUKO ist seit 10 Jahren für mich die wichtigste Quelle von Anregungen und Feedback. Und Freundschaft – es ist viel Freundschaft gewachsen mit den Jahren.

Kopflastig

Unlängst fragte mich eine Kollegin: „Wie gehst du mit der ganzen Kopflastigkeit um? Ich versuche nämlich oft, davon wegzukommen. Würde mich interessieren, wie du das siehst.“

„Kopflastig“ definiere ich für mich als „viel denken und viel reflektieren“. Es gibt Gedanken, die gut tun, und solche, die nicht gut tun. Nicht gut sind jene, die ich mal „Sorgengedanken“ nenne. Sprich, das Durchspielen von Szenarien, was denn alles so in der Zukunft an schlimmen Dingen passieren könnte (damit meine ich Überlegungen, die über das konstruktive Lösungsfinden hinausgehen) – denn ich werde mich niemals besser fühlen, alleine dadurch, dass ich mich in künftige Probleme hinein versetze. Sondern indem ich meine Einstellung ändere („Das, was ich mir wünsche, tritt ein.“) – denn ich schaffe mir selbst ja meine Realität. Ich bestimme selbst, wie ich mich fühle (Siehe Gesetz der Anziehung). Manchmal gelingt es mir, mich bewusst besser zu fühlen, manchmal geht es eben nicht, auch das gehört dazu, man ist ja keine Maschine, und ich habe das Recht, mich auch mal mies zu fühlen.

Als Autor habe ich ein ganz tolles Instrument, um Kopflastigkeit in etwas Konstruktives zu kanalisieren: ich erschaffe Personen, in die ich meine Gedanken hineinlege – und je intensiver ich das mache, desto besser (treffsicherer, emotionaler) werden die Texte. Dort sind sie gut geparkt, meine Zweifel und Befürchtungen. Und die Freude natürlich auch! Die wertvollen Begegnungen. Die Liebe für etwas oder für jemanden. Als Autor habe ich quasi kein Gefühl umsonst durchlebt, denn alles ist Teil des Reichtums, aus dem ich für mein Werk schöpfe.

Selbstzweifel haben alle (die ich kenne)

Heute mit der Autorin I. telefoniert. Sie erzählt mir von ihren Zweifeln. Dass sie nicht gut genug sei, um ihren Roman fertigzubringen. Ich habe ihr gesagt, solche Gedanken sind normal für einen Schreibenden. Habe Elizabeth George erwähnt, die ihren Zweifeln in ihren Tagebüchern freien Lauf lässt. I. sagte, das sei tröstend. So haben wir uns gegenseitig aufgebaut und uns auf unser nächstes Zusammentreffen gefreut. Wo wir uns gegenseitig unsere Romane aufblättern werden.

Ein Buch über das Bücherschreiben

Da gibt es ein Buch, das mir recht geholfen hat. Es versammelt viele Weisheiten und zeigt, wie sehr das Romankonstruieren ein Handwerk ist (Es nimmt dem Schreibenden die Ausrede, seine Fehler aus Unwissenheit zu begehen): Bestseller: Der Agent von Ken Follett über das Handwerk, einen Bestseller zu schreiben von Albert Zuckerman.

Romantagebuch schreiben

In dem Sachbuch Wort für Wort – oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben propagiert Elizabeth George ein Romantagebuch zu schreiben.

Sie druckt ein paar Zitate aus ihren Tagebüchern ab – diese Zitate sind manchmal so voller Zweifel an der eigenen Schreibfähigkeit, dass rentsnik meinte, diese Tagebuchauszüge alleine hätten das Sachbuch als solches schon lesenswert gemacht.

Mindmaps beim Romanschreiben

Mindmap mit freemind
Mindmap mit freemind

Um die Personen und die Handlung zu ordnen, arbeite ich mit Mindmaps. Und so verbringe ich manchmal einen ganzen Schreibtag vor solchen Bildern und schiebe herum und denke und schaue und denke und … habe erst mal lernen müssen, auch diese Tätigkeit als produktive Arbeit zu akzeptieren. Obwohl sie keine konkreten Worte abwirft.