Talsohle durchschritten!

Gestern konnte ich nicht recht aufhören mit dem Schreiben. Denn wenn ich aufgestanden bin vom Schreibtisch, hat sich mir auf halbem Weg zum Badezimmer noch ein weiterer Satz aufgedrängt, der dann zum Absatzbeginn wurde. – Eigentlich wollte ich gestern früher schlafen gehen, um früh fit zu sein. Ist dann doch Mitternacht geworden.

Danke euch allen da draußen für euren Zuspruch!

Hilfe, ich kann nicht schreiben! (Teil 4)

Die richtige Schreibhaltung zu haben, das ist mir das Wichtigste für das Schreiben überhaupt. Alles Handwerkliche nützt nichts, wenn ich als Autor nicht die richtige Emotion mitbringe, die eine Szene benötigt.

Trauer zum Beispiel. Wenn ich mich diesem Gefühl nicht stellen kann, dann macht es keinen Sinn, über einen Trauernden zu schrieben. So geschehen bei meinem Roman – das Thema Trauer, das in die  (guten) frühen Fassungen meines Romans lebendig gemacht hatte, wurde abgelöst von einer undefinierbaren Tristesse. Die Liebe, die mein Protagonist empfand, wurde zur vagen Erinnerung an die Verblichene. Im Laufe der Arbeit habe ich die kräftigen Emotionen vergilben lassen.

Darum also: Ich nehme mir jetzt eine Woche Auszeit. Ich schließe mich mit meinem Roman ein. Ich werde in dieser Woche nicht logisch denken! Ich werde spüren. Alles mögliche werde ich spüren. Meine Wut zur Wut der Personen machen. Meine Enttäuschung über das Nichtschreibenkönnen und meine Freude am Schreiben werde ich ummünzen auf Schmerz und Freude der Romanpersonen.

Keine Pastelltöne, sondern nur Kräftiges werde ich mit roher Feder in das Papier schnitzen.

Hilfe, ich kann nicht schreiben! (Teil 3)

Was habe ich denn in den letzten Monaten gemacht?

Ich habe herumkonstruiert, damit bei meinen Romanpersonen alles zusammenpasst. Damit diese Menschen stimmig agieren können. Ich habe wie wild konzipiert, damit das alles einfacher wird. Und jetzt, wo alles passt, wo für das erste Romandrittel nur mehr 10 offene Stellen zu schreiben wären, jetzt erfahre ich, dass die Einleitung vor zwei Jahren weit emotionsgeladener war als die heutige Fassung.

Warum? Weil mir die Emotion abhanden gekommen ist. Weil ich mir nicht die Mühe gemacht habe, mich auf die einzelnen Szenen einzulassen. Schnell, schnell sollte es gehen, damit der Roman nicht noch mehr ausufert. Für das Verweilen des Lesers war keine Zeit. Es passiert so viel in dem Roman, er ist so dicht, dass offenbar jedes Wort gelesen werden muss, um nichts zu verpassen.

Ich muss mich einlassen. Sprich, ich muss zur richtigen Schreibhaltung finden.

Hilfe, ich kann nicht schreiben! (Teil 2)

All das, was ich den Leuten beibringe, bei den Schreibwerkstätten – warum schaffe ich es nicht, mir das auch beizubringen? Und wofür ist all die Arbeit, über die ich dir, lieber Leser, in diesem Blog täglich berichte? All die Mindmaps, das viele Herumdenken, wozu denn, wenn schnell Hingeschriebenes offenbar mehr bewegt als mühsam Durchdachtes?

Die Antwort ist klar.

Hilfe, ich kann nicht schreiben! (Teil 1)

Ich gab einem Leser die aktuelle Einleitung zu meinem Roman. Und zum Vergleich jene Fassung, die ich vor zwei Jahren geschrieben hatte – der Leser fand die alte Fassung weit ergreifender.

Wie ich mich da fühlte? Ich kann nicht schreiben. Schlimmer noch: je mehr ich schreibe, desto schlechter wird mein Schreiben. Offenbar verlerne ich das Schreiben mit jedem Wort, das ich schreibe. Ich kann gar nicht schreiben, und ich werde noch dazu laufend schlechter.

Dann kam die Nacht, in der ich mich hin und her wälzte und literarische Probleme löste, eines nach dem anderen (welche das waren, daran konnte ich mich morgens nicht mehr erinnern). Das Resultat am Morgen? Ich war nicht nur wütend auf mich, so wie am Vortag, sondern noch dazu weit müder.

Zyklische Fragen oder: Ein Trick, um aus dem Scheibloch zu kommen

Nun ist es also soweit. Mein Magen. Stresssymptome. Mein Literatenkörper gibt mir zu verstehen: so soll es nicht weiter gehen.

Der Gedanke, nicht schreiben zu können, hat dieselben Auswirkungen wie der Moment, in dem ich mich vor meine Word-Datei setze und vergeblich den geeigneten Einstiegspunkt suche.

Jetzt muss ich Abstand gewinnen. Klarheit schaffen. Indem ich mein Vorgehen strukturiere. Und darüber in diesem Blog schreibe.

Meine Aufgabe: Angelika (12) verkündet ihrer Familie, sich keiner Herzptransplantation zu unterziehen. Beschreibe dieses Ereignis, seine Folgen und Reaktionen aller Betroffenen.

Randbedingungen:  (1) Mein Protagonist Timon ist bei diesem Gespräch nicht dabei. (2) Die Persönlichkeiten von Timons Umfeld sind zeigen.

Meine Frage (die mir Bauchweh macht): Und wie verdammt nochmal mache ich das?

Heute war ein unruhiger Tag. Hin- und hergedacht. Diese und jene Kleinigkeit gemacht. Nachgedacht und müde gewesen. Und dann mein Trick:

Stell dir vor, Thomas, ein befreundeter Literat hätte ebendiese Aufgabe  zu lösen. Er wendet sich an dich und bittet dich um einen Rat. Was würdest du ihm raten?

Was ich ihm sagen würde? Ist doch sonnenklar! Schreibe für jede Person aus Angelikas Umfeld eine Szene. Darin eröffnete diese Person ihre Sichtweise. 5 Personen, 5 Szenen. Plus eine Szene mit Angelika. Weitere Szenen werden sich wie von selbst ergeben.

Ich glaube, ich hab’s.