Das Fernsehen interviewt meinen Blog (Teil 4: Bonusmaterial)

Ein kurzes Web-Video mit Antworten, das das TV-Team gut fand, jedoch aus Zeitmangel nicht senden konnte. Quelle: we.blog – Thomas Wollinger – Deleted Scenes

Beim Mittagessen einen Verkehrsunfall ändern

Neulich in der Kantine saß mir T. gegenüber. Er ist Sanitäter beim Roten Kreuz. Ich nutzte die Gelegenheit, um mit ihm einen Verkehrsunfall durchzubesprechen.

Mein Plan, mit dem Auto gegen einen blühenden Marillenbaum zu fahren, gibt zwar ein schönes Bild (zartrosa Blüten fallen wie Schnee auf die verbogene Motorhaube), passt aber nicht zu Timons Verletzung,die ich später brauche (Schädeltrauma mit Amnesie ohne weiterer Symptome).

Also: Kein Marillenbaum kaputtfahren. Daher auch kein Wrack, daher auch nicht sie Szene der Wrackbesichtigung. Und weil sein Auto intakt ist, muss mein Timon nicht mit dem Zug fahren (was passiert dann mit den Zugfahrszenen?)

Hey! eine Idee: Mein Timon hat gar kein Auto! So wie ich. (Klar, Thomas, schöpfe doch aus dem Autobiografischen, mach‘ es dir leicht! Dann passt alles zusammen. Hinweis des Schreibministers: Denken kann Ihnen Kürzen ersparen.)

Danke Blog, soeben hast du mir wieder geholfen.

Ertappt: meinen fiktiven Ortsnamen gibt’s doch

Und ich dachte, „Kronstein“, das geografische Zentrum meines Romans, sei meine Erfindung… nun, Anni Bürkl hat mich eines besseren belehrt, danke! Da werde ich mir nun anderen Namen überlegen müssen, Schad, hab mich schon an ihn gewöhnt. :-)

Das kommt davon, dass ich nicht gut recherchiert habe…


Größere Kartenansicht

Hab mich nun für „Friedstatt“ entschieden. (In Anlehnung an Wallensteins Friedland – schließlich wurde das Krankenhaus in meinem Roman 1637 von einem Offizier und Mörder Wallensteins gestiftet, finanziert aus dem Vermögen des Ermordeten.)

Drei Jahre lang Frühling

Seit 2007 schreibe ich meinem Roman. Die Geschichte beginnt im Frühling, rund um die Marillenblüte. Die Wachau wirkt noch recht winterlich, obwohl es an manchen Tagen recht warm ist und die Sonne ganz schön zu blenden vermag.

Ich habe etliche Wanderungen rund um Dürnstein gemacht (der Ort ist das Vorbild für mein fiktives Kronstein). Ich habe hunderte Fotos geschossen: Kirche, Straßen, Häuerfronten, Ausblicke, Waldwege. Auch Baumpilze und den Aushang des Tennisklubs von Dürnstein. Langweilige Fotos, aber kein Detail darf mir entgleiten. Für denn Fall, dass ich mir daheim beim Schreiben Fragen stelle, wie zum Beispiel: Aus wie vielen Brettern sind die alten Tore gezimmert? Wie sieht die Fassade der barocken Gebäude aus? Wie ist der Weg beschaffen, der zur Ruine führt? Wie sehen die Terrassen der Weingärten aus?

Ich habe auch Wälder und Hügel fotografiert, in Tagesabständen, um die Geschwindigkeit des Frühlings zu vermessen. Damit ich alles parat habe. Für die Winternächte, an denen ich Frühlingsszenen schreibe.

Deshalb also lebe ich seit 2007 im Frühling. Ich rechne damit, dass ich diesen Herbst den Sommer erreichen werde. Der dann ein Jahr andauern wird.

Hier ein paar Dürnsteiner Recherche-Fotos vom 1. April 2009: Drei Jahre lang Frühling weiterlesen

Das Sterben recherchieren oder: Ganz nahe am Leben

Palliativsymposium - Reigentanz
Reigentanz

Dieses Foto ist auf dem Symposium im März 2009 entstanden. Thema war Palliativpflege von Kindern und Jugendlichen. Das Foto entstand, als uns Veronika Wartmann einen Reigentanz zeigte – Tanz als Bewältigung von Trauer. Wie man sieht, war ich der einzige männliche Teilnehmer – die anderen waren Krankenschwestern.

(Ich hatte schon vorher Tote gesehen – in gerichtsmedizinischen Vorlesungen: Selbstmörder, Verbrennungsopfer, Mordopfer, mumifizierte Leichen. Am Tiefsten der Eindruck eines 12jährigen. Erwürgt, um seiner Großmutter das Sparbuch zu stehlen. Er hatte eine fingerbreite Naht vom Bauch bis zum Hals: so war sein Körper nach der Obduktion geschlossen worden.)

Auf dem Symposium dann diese Fotos. Von einem toten Baby. Seine Eltern, die es zum letzten Mal waschen. Die Mutter, so wurde uns erzählt, stieß versehentlich sein Köpfchen gegen den Beckenrand und sagte „Entschuldige“.

Das Symposium trug den Titel: „Wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.“