Achtung: Lesen zerstört das Schreiben! Siehe Philip Roth.

Vor knapp fünf Jahren hätte er begonnen, seine Lieblingsautoren neu zu lesen – Hemingway, Turgenjev, Dostojevskij u.a. – sowie auch seine eigenen Werke. Worauf er zur Erkenntnis gekommen sei, dass die Begeisterung für die stets als schwer empfundene Arbeit des Schreibens verflogen sei. Und er wolle über Bücher auch nicht mehr sprechen: “After that, I decided that I was done with fiction.”

Quelle: Der Standard: Philip Roth zieht sich vom Schreiben zurück.

Darum: Ich sollte alle Bücher wegwerfen, die ich noch besitze. Vor allem Dostojevskij. Aber wie ist das mit Henry Miller? Muss der auch weg?

Keine Scham. Das Arbeiten mit dem Stellvertreter. Philip Roth.

Ich war sehr neugierig, wie weit ich als Schriftsteller gehen konnte. Was passiert, wenn man noch weiter geht? Wenn man mit einem neuen Buch anfängt, ist es sicher am Besten, jeden Versuch der Selbstzensur aufzugeben. Tu, was immer du tun willst. Lass es einfach zu. Scham ist nichts für Schriftsteller. Man muss schamlos sein. Man darf sich nicht den Kopf über Anstand zerbrechen. Das heißt nicht, dass man obszön und verrückt sein und die Seiten mit Fäkalien beschmieren muss. Darum geht es nicht. Aber Scham darf keine Rolle spielen. In meinem übrigen Leben empfinde ich jede Menge Scham, nicht weniger als jeder andere. Aber wenn ich schreibe, bin ich frei davon.

Philip Roth

Viele Schriftsteller, die ich kenne, haben einen Stellvertreter. Der Stellvertreter ermöglichte einem aus der eigenen Erfahrung zu schöpfen und auf Grundlage der eigenen Erfahrung zu erfinden. Er ist eine Maske. Und eine Maske bedeutet Freiheit. Wenn Portnoy wütend oder lüstern ist, dann bin ich glücklich. Ebenso wenn Mickey Sabbath voller Lüsternheit ist. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer und erfinde Mickey Sabbath in einem Zustand der Geilheit, aber ich selbst bin dabei nicht geil. Es ist eine entscheidender Unterschied, den man machen muss.

Philip Roth

Die Fernsehdokumentation noch ein paar Tage online auf arte.tv.


http://videos.arte.tv/de/videos/philip_roth_ohne_beschwerden-4112130.html

Anscheinend machen amerikanische Schriftsteller so: Sie verlassen den Ort aus dem sie stammen und schreiben den Rest ihres Lebens darüber.

Philip Roth