Aktives Nichtschreiben

Letztens gerate ich in Schreibstimmung. Schlittere in das Gefühl meines Romanhelden. Mir kommen Worte in den Sinn, die ich niederschreiben möchte. Ich bin also bereit für die kommende Szene.

Und was mache ich? Ich mache mir Essen.

(Früher musste jeder Gedanke gleich geschrieben werden, als wäre er unwiderbringlich. Jetzt kann ich das Gedachte etwas besser genießen. Wenn es wirklich wichtig und gut ist, verflüchtigt es sich nicht, weil es weiter in mir arbeitet. Nichtschreiben ist der Gegendruck zum Schreiben, Nichtschreiben fördert das Drängende in den Sätzen, und am Ende sind sie Sätze so stark in mir, dass sie raus müssen, roh und aus einem Guss.)

Thomas, schreibe nicht!

Bin unruhig. Meine Gedanken sind schnell, aber kein Vorwärtsdenken mehr, nur mehr ein Kreiseln.

Hör auf, Thomas! Mach etwas anderes. Nimm Geschwindigkeit heraus.

Viel weiter gegangen ist in der letzten Zeit – sieh das doch ein, Thomas! Du hast an deiner Sprache gearbeitet, der Plot ist stabil wie nie, du hast sogar eine Einleitung, die du vorlesen kannst …

Aber immer diese Enttäuschung, dass zwei, drei oder gar vier Schreibtage zu Ende gehen, ohne dass der Roman in seiner vollen Größe abgeschlossen ist.

Meine Gedanken flüchten mir vom Schreibtisch.

Ich mache einen Schritt und meine Gedanken stieben auseinander, runter vom Schreibtisch, und huschen in dunkle Löcher.

Ich setze Kopfhörer voller Musik ein, um sie herauf zu zwingen.

Meine Erfahrung lehrt mich: Ich habe eine Chance. Nämlich dieses Flüchten zu meiner Schreibhaltung zu machen. Es meinem Romanhelden umzuhängen, der nicht dort sein will, wo er ist. Der nie dort sein will, wo er ist, daher die Unruhe, die ihn frisst.

Das ist Arbeit. Grobe Worte. Henry Miller, schau oba!

PS: Folgendes Video zeigt so ein Gedankenwesen, das auf einem Tisch geboren wird, sich umschaut. Einer ruft „Don’t touch it!“, und dann haut es ab, das Gedankenwesen. Versteckt sich im Dunklen, aber es ist nicht weit. Hinter mir. Ich höre sein Atmen.

PPS: Lieber tippe ich Blogeinträge und suche passende Videos als zu schreiben … na, wenn das nicht symptomatisch ist!

Das Nichtschreiben genießen (lernen)

Gestern beschloss ich, einen Tag nichtzuschreiben.

Verboten:

  1. Am Roman weitertippen
  2. Ich-schreib-nicht-und-darum-bin-ich-wütend-auf-mich

Erlaubt:

  1. Lesen
  2. Gedanken rund um den Roman machen
  3. Am Blog arbeiten
  4. Auf die Schreibwerkstatt vorbereiten
  5. Alles andere

Dieser Nichtschreibtag begann im Hof des Museumsquartiers mit einem Frühstück, und ich schaute einfach nur den Leuten zu. Und meine Kamera, die ich frei laufen ließ, filmte diese Frau mit der grünen Jacke: Mit ihr kam und ging die Sonne …