Schreibwerkstatt ’99: Die Krise danach

Meine Erkenntnisse nach der Schreibwerkstatt mit Julian Schutting:

  1. Das, von dem ich überzeugt war, es wäre gut, war es gar nicht. Dazu gehörte auch mein erster Romanversuch (*1997 †1999)
  2. Ab und an schrieb ich etwas, das gut ankam.

Ich hatte nachher weniger als vorher: Weniger Selbstsicherheit, weniger gute Texte. Für mich war nicht absehbar, wann ein Text gut und wann etwas schlecht werden würde. Ich misstraute nicht nur meinen Worten, auch meiner Urteilsfähigkeit.

Was blieb mir? Schiere handwerkliche Kraftanstrengung: Schreiben, Abstand zum Geschriebenen suchen, Meinungen von anderen Autoren einholen, kürzen bis auf die Knochen. Immer wieder.

Weshalb ich 1999 das Schreiben nicht aufgab? Weil es mir nicht in den Sinn kam, aufzugeben. Wozu auch? Ich habe ein Leben lang Zeit, um Schreiben zu lernen.

Schreibwerkstatt ’99: Mein Wortmisstrauen

Am zweiten Tag der Schreibwerkstatt mit Julian Schutting erfuhr ich, dass es so etwas wie Kürzen gibt. Dass es sogar etwas Produktives und Normales ist, seine eigenen Worte wegzustreichen. Entsprechend dem Ziel des Texts. Wenn ein Wort dem Textziel nützt, ist es lassen. Sonst nicht. So einfach ist das, eigentlich. Aber woran soll ich, der bloß 4 Jahre autodidaktischer, hobbymäßiger Literaturbildung aufzuweisen hat, denn wissen, was ein gutes Textziel ist?

Anders ausgedrückt: Worüber kann ich denn eigentlich schreiben?

In den folgenden Jahren verschanzte ich mich dahinter, brutal wegzustreichen. Die Archäologin zum Beispiel: als ich mir mühsam 150 Buchseiten abgerungen hatte, habe ich – aus purem Wortmisstrauen – beschlossen: da müssen 10 Seiten weg. Denn von mir Hingeschriebenes könne doch nicht einfach gut sein! Da müsse an jedem Wort herumgelitten sein, und nur dann dürfe das Wort womöglich bestehen.

Auch als mein erster Roman 2004 veröffentlicht wurde, war mein literarisches Wachstum längst nicht abgeschlossen – im Gegenteil. Sprachliche und inhaltliche Krisen waren Vermurungen und Steinschläge auf meinen weiteren Weg. Mehr dazu später.

Schreibwerkstatt ’99: Die Keimzelle von GRAUKO

Maria Trost bei Graz, 5. bis 16. Juli 1999. Schreibwerkstatt von und mit Julian Schutting. 11 andere Schreibende und ich.

Meine literarische Vorerfahrung: 1995 begann ich, freiwillig Romane zu lesen (vorher nur gezwungenermaßen zur Matura, und ich hatte 1986 maturiert). Von 1997 bis 1999 schrieb ich einen Roman mit mehr als 500 Buchseiten. Das Werk war von allen Verlagen abgelehnt worden (zu Recht, wie mir während der Schreibwerkstatt klar wurde).

Mit dabei: Maria Edelsbrunner, Ursula Kiesling, Peter Heissenberger, Charly Hofbauer – von ihnen wurde 1999 GRAUKO gegründet.

Ebenfalls dabei waren Anna Kim und Jürgen Lagger.

Schutting Schreibwerkstatt - Abschlusslesung 1999
Schutting Schreibwerkstatt - Abschlusslesung 14. Juli 1999

Die Große Wende oder: Ein Konzept namens „Urlaub“

Vor einigen Jahren fand meine Große Wende statt.

Meine Einstellung vor meiner Großen Wende:
„Ich habe eine Arbeit als IT-Berater, und Schreiben ist mein Hobby. Ich schreibe nach der Arbeit, an Wochenenden und im Urlaub.“

Ein Problem vor der Großen Wende:
„Wenn ich keine Arbeit habe, bin ich arbeitslos und fühle mich erfolglos.“

Meine Einstellung nach der Großen Wende:
„Schreiben ist meine Hauptarbeit. Ergänzend arbeite ich in Software-Projekten.“

Die innere Erleichterung nach der Großen Wende:
„Ich nehme nur jene Aufträge an, die in mein Lebenskonzept passen. Wenn ich keine Aufträge habe, ist das eine gute Gelegenheit, mich auf meine Hauptarbeit zu konzentrieren. “

Ein Problem nach der Großen Wende: „Urlaub.“

Weil meine Arbeit das Schreiben ist (und „Urlaub“ ist Nichtarbeiten), dann heißt das, im „Urlaub“ nicht zu schreiben, sprich, wochenlang nicht zu schreiben.

Die Vorstellung, ohne Laptop irgendwo zu sein, macht Unbehagen. Wohl darum bin ich derzeit etwas erschöpft, arbeitsfreien Urlaub hatte ich seit ichweißnichtwann nicht.

Für Urlaub bin ich – Große Wende her oder hin – wohl noch nicht bereit. Kommt aber noch.

Die Freude des Schriftstellers – Teil II

Wenn draußen einer ist, der Freude mit dem hat, was ich schreibe, dann freut mich das schon. Das macht viel Mühe wieder wett.

2005. In meinem Postkasten ein Paket, darin ein Exemplar von Die Archäologin. Mein erster Gedanke: Jemandem hat mein Roman nicht gefallen, der schickt ihn mir zurück! Aber da ist noch ein Brief …

Brief eines Lesers von "Die Archäologin" vom 14.1.2005
Brief eines Lesers von "Die Archäologin" vom 14.1.2005