Sehen, hören, fühlen, riechen, berühren. Schreiberische Alltagsarbeit.

Beim Schreiben geht es um das Leben. Schreiben hat etwas mit sehen, hören, fühlen, riechen, berühren zu tun. Es handelt weit eher von all diesen Dingen als vom Denken.

Wir haben die Vorstellung, Schriftsteller müssen „intelligent“ sein. Mit „intelligent“ meinen wir „raffiniert“. Wir wissen, wie Raffinesse beim Schreiben aussieht: Es sind Sätze verlangt, die Kurven so mühelos nehmen wie ein Porsche, und kritische Kommentare mit einer Geschwindigkeit und Eleganz in die Ecke treiben, die uns normale Menschen meist nicht zur Verfügung stehen. Ja, das ist eine Art zu schreiben, mit Effekthascherei, doch ist das Schreiben mehr als nur das.

(Quelle: Julia Cameron: Von der Kunst des Schreibens)

Julia Cameron beschreibt so treffend, weshalb Sinneseindrücke im Zentrum stehen, am ersten Tag der Schreibwerkstatt Texthobel.

Gefühle löse ich bei der Leserin nicht dadurch aus, indem ich sie nenne (“Anita ist verliebt.”). Klar darf ich jederzeit Emotionen nennen – bloß wundern darf ich mich nicht, dass die Leserin keine Marionette ist, die fühlt, was ich ihr befehle. Stattdessen die Leserin spüren lassen, dass Anita verliebt ist – indem sie Anita beobachtet. Darum frage ich mich als Autor: Woran erkenne ich, dass Anita verliebt ist? Solches ist meine schreiberische Alltagsarbeit.

Schreiben ist nicht sprechen. Sondern zuhören.

Wenn ich auf das höre, was da ist, und es niederschreibe, dann muss ich den Ideenfluss nicht erzeugen, sondern lediglich aufzeichnen.

Sobald das Schreiben ein Akt des Zuhörens und nicht des Sprechens wird, tritt das Ego weitgehend in den Hintergrund.

(Quelle: Julia Cameron: Von der Kunst des Schreibens)

Dieses Zitat widme ich B. und S., die soeben an ihren Sachbüchern arbeiten.

Die Zeitlüge. Oder: Für das Schreiben gibt es immer Zeit.

Der Mythos, dass wir Zeit – mehr Zeit – brauchen, um schöpferisch tätig zu sein, hält uns davon ab, die Zeit zu nutzen, die uns zur Verfügung steht. Wenn wir immer nur nach »mehr« verlangen, negieren wir das Vorhandene.

Mein Dasein als alleinerziehende Mutter, hauptberufliche Lehrerin und hauptberufliche Schriftstellerin hat mich gelehrt, mir die Zeit zum Schreiben zu nehmen, statt auf sie zu warten.

Die Obsession mit dem Zeitmangel ist in Wirklichkeit nichts anders als Perfektionismus. Uns fehlt der Mut, ohne Sicherungsnetz zu arbeiten, und wir behaupten, dass wir doch nicht so dumm sind, um Zeit auf etwas zu verschwenden, das sich am Ende gar nicht auszahlt.

Wenn wir aus Liebe schreiben, uns selbst Augenblicke des Schreibens schenken, dann wird unser Leben schöner und unser Temperament sanfter.

Schreiben bringt vieles ins Lot.

Wer sich Zeit zum Schreiben nimmt, dem steht Gutes bevor. Indem wir unsere Umgebung beschreiben, wenden wir uns ihr bewusst zu und wissen sie besser zu schätzen.

(Quelle: Julia Cameron: Von der Kunst des Schreibens)

Dieses Zitat widme ich B. und S., die soeben an ihren Sachbüchern arbeiten.