Seitwärts gesetzte Beine

Die kleinen Krebse,
seitwärts gesetzte Beine.
Das klare Wasser.

(Basho. Hundertelf Haiku. Ammann Verlag 2009, Seite 36)

In kurze Sätze
genau gesetzte Worte.
Das klare Gefühl.

(Wollinger)

[Anmerkung von mir: Mein Haiku gefällt mir heute nicht mehr. Weil da das Wort „Gefühl“ genannt wird. Weil zu viel gewollt ist. Weil es keine natürliche Beobachtung ist, sondern … ach, was weiß ich. Ich sehe mir ja ab und an meinen Blog selbst an und das, was da veröffentlicht ist, trifft oft meine jetzige Stimmung nicht mehr oder aber ich würde es ganz anders sagen oder gar nicht.]

Es atmet leise

Es nieselt leise
und der Alte und ich nachts
uns ähnlich werden.

(Buson. Quelle: Haiku, Japanische Dreizeiler, Reclam. Seite 193)

Es atmet leise
und mein Roman und ich nachts
uns ähnlich werden.

(Wollinger)

Zum Wintermondlicht
das vergebliche Rufen
des blinden Knaben.

(Issa. Quelle: Haiku, Japanische Dreizeiler, Reclam. Seite 219)

Zum Wintermondlicht
das vergebliche Schreiben
des Literaten.

(Wollinger)

Betrachtet den Mond

Der arme Knabe,
der sich Reis mahlen wollte,
betrachtet den Mond.

(Basho. Quelle: Haiku, Japanische Dreizeiler, Reclam. Seite 146)

Der Romanautor,
der weiterschreiben wollte,
betrachtet den Mond.

(Wollinger)

Die Fischersleute
vom ganzen Dorf sind draußen:
Der Mohn in Blüte!

(Kyorai. Quelle: Haiku, Japanische Dreizeiler, Reclam. Seite 197)

Die Literaten
vom ganzen Dorf sind draußen:
In der Schreibwerkstatt!

(Wollinger)