Gert Jonke oder: das gehetzte Schreiben

Gert Jonke lernte ich im Rahmen Leondinger Akademie für Literatur kennen, am 31. 5. 2006. Die Aufgabe, die er uns stellte, lautete, etwas zu beschreiben. Entweder dadurch, dass man dessen Grenzen beschreiben, also es als das beschreibt, was es nicht ist. Oder es dadurch beschreiben, dass man ganz genau, ganz nahe hinsieht, so nahe ist, dass es am Ende der Beschreibung als etwas ganz anderes erscheint – Bei mir entstand dieser Text.

Gert erzählte vom “gehetzten Schreiben” – erst knapp bevor der Text fertig sein soll, wird daran gearbeitet. Vorher wird nicht geschrieben. Bloß nachgedacht. Eine anstrengende Schreib- und Lebensweise. Offenbar die seine. Während des Unterrichts trank Gert etliche Red Bull.

Gert redete konfus, wenn er nicht vom Blatt ablesen konnte. Sein Feedback war ebenso, es war eigentlich keines, er konnte zu unseren Texten nichts sagen, und das sagte er uns auch – also las er uns unsere Texte vor. Und vielleicht war es genau das.

Mir kam Gert wie ein Zauberstein vor, den ich an jenem Tag berühren durfte. Eine Berührung, die mich und mein Schreiben reicher gemacht hat, die etwas in mir ausgelöst hat. Was genau?

Benennen kann ich es nicht, vielleicht kann ich es irgendwann umschreiben, dadurch, indem ich sage, was es nicht war. Oder indem ich ganz genau hinsehe, auf diesen Tag, so nahe mit den Augen darauf zugehen, dass der Tag mit Gert Jonke am Ende als etwas ganz anderes erscheint.

(Die Fotos habe ich an diesem Tag gemacht)