Partyszenario

Geht ein Autor auf eine Party, hat er sich auf folgendes Szenario einzustellen:

Mensch: Ich habe gehört, du schreibst.

Autor: Ja.

Mensch: Was denn?

Autor: Einen Roman.

Mensch: Und worum geht es?

Das ist ein guter Test, ob der Autor dem Wesen seines Romans schon so nahe ist, als dass er es innerhalb der durchschnittlichen Aufmerksamkeitsspanne eines durchschnittlichen Partybesuchers vermitteln kann (Siehe auch Artikel zum Thema Inhaltsangabe). Bei mir war es letztens folgendermaßen:

Autor: Die Geschichte handelt von einem Krankenhaus, das vierhundert Jahre alt ist. Es wurde im 30jährigen Krieg von einem sehr reichen Söldnerführer gegründet. Für eine Frau, die er sehr geliebt hat. Diese Frau war eine Art Krankenschwester, und sie hatte den Mann gesund gepflegt. Er wollte sie heiraten, aber sie lehnte ab. Denn er ist einer, der vom Krieg profitiert und den Krieg schürt. Also, was tut man in so einer Situation, wenn einem eine Frau zurückweist?

Mensch: (schaut)

Autor: Richtig! Man baut ihr ein Krankenhaus. Damit sie es leitet. Und das geht auch einige Jahre gut. Doch dann, 1645, kamen die Schweden und plünderten alles und Viola – so hieß die Frau – war seither verschwunden. Der Mann blieb alleine zurück, und in seinen letzten Lebensjahrzehnten sorgte er mit einer Stiftung dafür, dass dieses Krankenhaus die Generationen überstehen würde.

Mensch: (nippt Alkohol)

Autor: Der Roman beginnt damit, dass eine schwangere Archäologin das Skelett der verschollenen Krankenhausgründerin findet. Und ermordet wird. Ihr Freund und Vater des Kindes kommt in den Ort, um für sich herauszufinden, was passiert ist. Um mit seinem Verlust klar zu kommen. So verstrickt er sich immer mehr in eine Geschichte, die von vierhundert Jahren begonnen hatte.

Mensch: Das ist ja wie ein Hollywoodfilm …

Autor: Äh, ja. Hmm.

Inhaltsangabe oder: Mein Roman in 320 Zeichen

„Ah, du schreibst einem Roman. Interessant. Worum geht es denn?“

Wenn ich imstande bin, auf diese Frage bündig zu antworten, bin ich mir über das Wesen meines Romans im Klaren. Eine gute Idee zeichnet sich dadurch aus, dass ich sie treffend vermitteln kann – was nicht heißt, dass es mir leicht fällt, sie treffend zu vermitteln („Simple but not easy“).

Hier nun meine Antwort im Format einer doppelten SMS:

Im Zentrum des Romans steht ein jahrhundertealtes Krankenhaus. Seine mythische Gründerin Viola ist seit dem 30jährigen Krieg verschollen. Jahrhunderte später entdeckt eine junge, schwangere Archäologin Violas Skelett – daraufhin wird sie ermordet. Nun kommt ihr Freund in die Stadt, um mit dem Verlust fertig zu werden.