schreiben – Autorenblog von Thomas Wollinger.
22. März 2012
Beitrag 942

Jetzt neu! Jetzt noch perfider! Der neue Romantitel.

GRAUKO-Treffen in Graz. Kuno Kosmos, einer der Erstleser meines Romans, schlug eine Änderung des Titels vor. “Violanum” war ihm zu Thriller-artig. Seine Alternative:

Viola auf dem Steine

Das klingt weicher und trägt etwas Bedächtigkeit in sich. Der Titel ist zudem recht perfid: verspricht er eine Frau, die sitzt und vielleicht Gedanken nachgeht. Tatsächlich fußt er auf folgendem Stephanbrief

27. Stephanbrief »Viola auf dem Steine«

Viola wurde zu einer Magd geführt.
Die lag in einem Stall und blutete aus dem Leib.
Die Stirne heiß, die Stimme erschlafft,
der Blick schon trübe.
Viola setzte sich neben die Frau auf einen Stein,
labte die Magd mit Wasser und Kräutern
und stellte ihr die Kerze in die Hände.
Der Priester nahm die Beichte ab.
Die Kerze war noch nicht erloschen,
da öffnete die Frau die Augen,
erblickte Viola auf dem Steine und rief:
»Hier darfst du nicht sitzen, denn mit diesem Stein
habe ich mir mein Kind im Leib erdrückt.«

Als es vorbei war, schleppte Viola den Stein
hin auf den großen Platz und sprach:

Nie tötet eine Frau ihr Kind aus freien Stücken.
Denn es ist der Teufel, der uns Netze auslegt,
in die wir fallen und uns nicht mehr zurechtfinden,
und uns nicht mehr um die Liebe kümmern.
Deshalb nehmen wir fortan alle Kinder als die unseren auf,
die an uns herangetragen werden.
Wir fragen weder nach Namen noch nach Grund.
Jede Frau, die hier gebären will, sei uns willkommen,
egal, ob sie das Kind behalten kann oder in unserer Obhut lässt.

Denn unsere heilige Aufgabe sind die Kinder –
die müssen wir aus den Netzen des Teufels lösen.
Über die Sünden ihrer Mütter und Väter zu richten,
obliegt alleine unserem Herren.

Themengebiet Romanprojekt "Violanum", Romantagebuch
Schlagwort ,

Fredi meint: Also den neuen Vorschlag in allen Ehren, allerdings: den Titel gibt es ja dann schon im Stephanslied. "Violanum" ist kompakter, ein Name, ein Wort, ist dir als erstes eingefallen. Man weiß doch, meist sind die ersten, die besten Gedanken und Idee. Dann gehen wir mühsam Umwege und tragen die Kirche um´s Kreuz herum, bis wir zum Urgedanken zurückkommen. Außerdem: Violanum klingt lateinisch. Viola auf dem Stein, klingt nach einer Frau die auf einem Stein sitzt. Und ich dachte das Violanum sei ein Krankenhaus. Wie schreibst Du das dann zur Viola um? Ich bin für Violanum. Aber, wieso machst Du nicht eine Abstimmung hier? Das ist schnell installiert und alle können abstimmen. Die Intelligenz der Masse, hat meistens recht. Mach es demokratisch. Außerdem wäre das ein cooler Verkaufsspin, wenn Du den Titel im Blog abstimmen läßt. Da bist Du nochmal einen Schritt mehr >>State of the Art<<.

Lisa meint: Ich würde evtl. einfach nur 'Viola' nehmen. Die anderen beiden Titel klingen in meinen Ohren zu prätentiös.

21. März 2012
Beitrag 941

Schreiben ist …

… mich wieder auf mein Inneres zu besinnen. Auf das, was mich von innen heraus nährt.

Das unabhängig ist vom aktuellen Wetter aus Tagesverfassungen und Ereignissen.

Themengebiet Romantagebuch
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Eva Jancak meint: Und die Ruhe dazu haben, das sich Zeit lassen oder Zeit nehmen, sich auf das Neue einzulassen, möglichst ohne die vielen kleinen bösen Stimmen im Kopf, die schreien "Das kannst du eh nicht, das schaffst du auch diesmal nicht!", so geht es jedenfalls mir und ich stehe jetzt auch vor der Aufgabe mich nach den hektischen letzten Wochen, der Buchmesse in Leipzig und der Lesung heute Abend, auf mein neues Projekt einzulassen, zu dem es ja schon ein paar Vorarbeiten gibt, das aber jetzt wieder ganz weit weg ist...

20. März 2012
Beitrag 940

Wäsche aufhängen. Mit dem Romanhelden.

Ich hänge die Wäsche auf und frage ich mich, was mein Romanheld dabei empfindet, wenn er so etwas tut. Woran denkt er? Wohin schweifen seine Gedanken ab?

Ich spüre mich an ihn heran, allmählich.

Themengebiet Romanprojekt "ausgegraben", Romantagebuch

19. März 2012
Beitrag 939

Emily Walton (Signiertes VI)

Nicht nur ihren Roman “Mein Leben ist ein Senfglas”, sondern auch den Heinz Senf bekam ich von ihr signiert, bei ihrer feinen Lesung am 6. März!

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
Schlagwort ,

Eva Jancak meint: Ja, das war eine feine Lesung und in Leipzig war Emily Walton auch

Fredi meint: Senf macht schlau, sagt man. Und wie fast alles, so hat auch der Senf seinen Anfang in China. Tolle Idee, daß die Poppy mit einem Senfglas nach Österreich zieht. Man braucht oft einen konkreten Aufhänger, etwas greifbares. Senf! Englischer Senf. A Burenheidl dazu. Lecker! Assoziiere ich sofort H.C. Artmanns "Im Schatten der Burenwurst".

Dieser Beitrag wird von Ein Fan hat Freude! | EMILY WALTON zitiert: [...] Thomas Wollinger hat Freude mit seinem/meinem Buch! Visit his Blog! [...]

18. März 2012
Beitrag 938

Denn mit jedem Satz, da verbrennt doch etwas!

Ich mache weiter mit dem Schreiben, nach zwei Monaten Pause, wie ein Verirrter, der geglaubt hat, er bräuchte keinen Kompass mehr, und nun ist er zurückgekrochen, an die Stelle, wo er das Ding leichtfertig fort geworfen hatte.

Ich tippe das hier, und wie eine Horde kreischender Affen tanzt es in meinem Kopf. Natürlich kann ich nicht mehr schreiben wie vor zwei Monaten – Schreiben ganz allgemein bedeutet, nie mehr so schreiben zu können wie vorhin, denn mit jedem Satz, da verbrennt doch etwas! Aber seine Asche ist so fruchtbar, dass auf ihr der kommende Satz spießt. So kann ich unmöglich meine Worte an Bettina richten, nach allem, was nun passiert ist. Das heißt nicht, dass sie für mich tot ist, sondern dass sich Dinge eben geändert haben.

(Dies ist ein weiteres Opfer für den Schreibgott, denn auch für dieses Textstück sehe ich keine Verwendung mehr im Roman.)

Themengebiet Romanprojekt "Violanum", Romantagebuch
Schlagwort

viki meint: wunderschön. lässt du uns weiter dein wortehimmel sein? die asche die du hier in den www-wind verstreust lässt auch meine gedanken wachsen. ich verstehe - der weg muss geschrieben werden - und lohnt sich - für die worte, die im prozess entstehen, aber ohne ihn doch alles sagen, was es zu sagen gibt. schreiben schreiben schreiben schreiben. sagen. kennst du das wie schön es ist wenn jemand etwas endlich in worte fasst, was du schon oft erlebt hast und nicht im stande warst bewusst zu begreifen? danke Thomas

17. März 2012
Beitrag 937

Aufspüren und ausmerzen. Den Fülselworten geht es ans Leder.

33 Mal ist das Wort “irgendwie” im Roman vorgekommen.
Jetzt kommt es nur mehr dreimal vor.

201 Mal ist “immer” vorgekommen.
Jetzt: 71.

19 Mal ist “nämlich” vorgekommen.
Jetzt: 2.

92 Mal ist “sagte er” vorgekommen.
Jetzt: 72.

144 Mal ist “er sagte” vorgekommen.
Jetzt: 137.

132 Mal ist “ich sagte” vorgekommen.
Jetzt: 101.

229 Mal ist “sagte ich” vorgekommen.
Jetzt: 114.

90 Mal ist “fragte ich” vorgekommen.
Jetzt: 52.

Themengebiet Romanprojekt "Violanum", Romantagebuch
Schlagwort

andrea meint: ...das erinnert mich an meine deutschlehrerin im gymnasium. ich hab während einer unterrichtsstunde eine stricherlliste geführt, wie oft sie "also" sagte. sie war gelinde gesagt ENTSETZT... ;-)

16. März 2012
Beitrag 936

Wieder ein Darling dem Schreibgott geopfert.

Nach der mehrfachen Rückmeldung, wonach der Einstieg etwas zäh ist, habe ich gestrichen. Schöne Stellen, finde ich. Aber sie leisten eben nicht die Geschwindigkeit, die der Roman eingangs braucht.

So ist dies nun eine weitere Gabe an Xo, Gott des Kürzens:

Und wenn ich abends heimkomme, so wie jetzt, und die Gedanken kommen wieder, und die Leere ist um mich, und ich kann dich nicht anrufen, dann kann ich immerhin schreiben. Denn beim Schreiben brauche ich mich nicht gegen Gedanken zu wehren – es genügt, sie mit dem blinkenden Cursor zum nächsten Wort weiter ziehen zu lassen, und irgendwann schieben nachfolgende Sätze die vorigen Gedanken ohnehin über den oberen Bildschirmrand. So ist es. Und Punkt. Ich brauche mich nicht mehr darum scheren, dass meine Sätze einen Zusammenhang ergeben. Die Gedanken sollen nur endlich über den Bildschirmrand hinaus gleiten. Punkt. Auch am Ende von diesem Satz steht ein Punkt. Und nach dem Punkt kommt ein Satz, der nur einer von unendlich vielen möglichen Sätzen ist – aber auf einen Punkt kann höchstens ein Satz anschließen. Genauso verhält es sich mit dem Wort: Jedes einzelne Wort nimmt all den richtigen Worten ihren Platz weg. Aber ich gebe nicht auf. Denn wenn ich schreiben kann, irgendetwas, dann kann ich doch genauso gut auch das Wesentliche erfassen. Dein Wesen. Das ist wie beim Lotto: irgendwann könnten die richtigen Zahlen kommen. Genauso können mir auch die richtigen Worte kommen. Denn wenn ich alles klar habe, für mich, dann wird es mir wieder gut gehen. Denn wenn ich dein Wesen beschreiben kann, wenn ich weiß, was das war, mit uns beiden, ja dann weiß ich automatisch, was ich bin, denn ich bin das, was von uns übrig ist. Es ist so einfach.

Ja, das ist es: ich schreibe gegen die Unwahrscheinlichkeit, dass ich mich ausdrücken kann. Und dich. Und uns ausdrücken kann. Jeder Punkt hilft mir dabei, eröffnet mir die Chance auf den nächsten Satz. Ein Neubeginn. Hoffnung, dass nun der Satz kommt, der ins Schwarze trifft. Der mein Leben vermisst – ich meine vermessen und nicht vermissen. Kannst du mir folgen? Nein, natürlich kann mir keiner folgen. Dort, wo ich jetzt bin, ist mir keiner hin gefolgt. Jedenfalls kann ich keinen sehen. – Ja, Bettina, ich habe einen Schuss. Ich weiß, Du hast ja schon immer gewusst.

Egal. Hier nun jener Satz, der mein Leben vermisst: Ich habe dich geliebt, und jetzt bist du tot. – Nein, das kann nicht sein, denn mir kommt vor, als hätte man dich mir erst vorhin aus der Umarmung gerissen, also liebe ich dich immer noch, es müsste lauten: du bist tot, und ich liebe dich immer noch … Ich scheitere beim Niederschreiben. Mein gewohntes Ringen mit den Worten. Zum Beispiel deine Umarmung: Ich trage zwar noch dieses Gefühl in mir – wenn ich die Augen schließe, spüre ich dich an meinen Armen, dein Gesicht deutlich in meiner rechten Halsbeuge, der Druck deiner Finger durch meine Jacke, dein Atem – aber es sind nur Äußerlichkeiten, die ich zu Papier bringe. Vielleicht, weil ich nicht genügend Worte kenne. Ich gehe kaputt, wenn ich so weitermache. Ich muss etwas tun.

Themengebiet Romanprojekt "Violanum", Romantagebuch
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Christina Wenger meint: Mir gefällt die Stelle auch. Noch mehr gefällt mir, was du uns zeigst - dass man gleichzeitig kürzen und nicht kürzen kann. Beim Buch raus, beim Blog rein, das ist wirklich genial.

15. März 2012
Beitrag 935

Im Schreibraum des Ernest H.

Ernest H. schreibt immer im Zelt (oben). Dieses Schreibzelt nimmt er auf allen seinen Reisen mit, sogar nach London (unten), wo er es in seinem in seinem Hotelzimmer aufstellen lässt.

Untenstehendes Foto ist in London entstanden. Er hat sein Schreibzelt für dieses gestellte Autorenfoto verlassen. Dass es gestellt ist, ist an seiner Ratlosigkeit offensichtlich – er weiß mit Schreibmaschinen nichts anzufangen, er schreibt ja mit der Hand und das im Zelt.

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
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Fred meint: wieder was gelernt! Hättest einen guten Lehrer abgegeben.

JuSophie meint: er hat gut recherchiert, macht auch einen guten literaten aus;-)

14. März 2012
Beitrag 934

Bücher machen!

Literaten machen viel Arbeit.

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
Schlagwort

JuSophie meint: Interessant wie unsere Arbeit weiter arbeitet/gearbeitet wird:))))

13. März 2012
Beitrag 933

Zwei Filme über die Liebe. Zu Büchern.

Das geheime Leben im Büchergeschäft, nach Geschäftsschluss:

Dieses Video hat auch ein Prequel, in dem es um einen Bücherschrank geht, der sich selbst umordnet:

Diese Videos stammen von Sean Ohlenkamp, und hier erfährst du mehr darüber.

Themengebiet Vom Rand des Schreibens
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