Eva Jancak meint: Tja, das ist eine interessante Frage, wie weit man das veröffentlichen darf und soll, verhindern kann man es ja nur wenn man es weiß, aber dann gibt es so etwas wie das Recht aufs eigene Bild und ich persönlich wundere mich immer was die Leute alles so fotografieren, allerdings habe ich auch schon Sätze mitgeschrieben und in meinen Romanen kommt einiges Beobachtetes vor, das versuche ich allerdings so abzuändern, daß sich keiner erkennt, gelingt nicht immer und manchmal erkennen sich Leute, die gar nichts damit zu tun haben
Man kann ja schließlich nicht jede Frau vögeln, der man in die Arme läuft, hab ich nicht Recht?
(Henry Miller: Sexus)
Als ich das las, lachte ich auf. Was daran witzig sein soll? Vielleicht, dass diese Feststellung eine bestechend einfache Logik hat. Kein Menschen im meiner Umgebung fand das ebenso witzig wie ich.
Humor in der Literatur ist für mich seltsam.
Vielleicht geht es darum, Dinge zusammenzufügen, die so nicht zusammenpassen. Das ist zwar nicht automatisch witzig, aber schon mal ein Anfang. Irgendwie wird das vom folgendem Video eingefangen: Der Raum, der Lärm, die Männer. Wie passt das zusammen? Warum lachen sie? In so einer Umgebung, mit so einer Bekleidung zu lachen, das ist an sich schon witzig. Und erst später habe ich überhaupt entdeckt, warum sie lachen.
So geht es mir bei Humor in der Literatur. Nicht leicht zu fassen, ein bisschen hinter einer verschlossenen Tür.
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Eva Jancak meint: Witze sind meistens eine Machtfrage denke ich, der Stärkere lacht über den Schwächeren und der versucht zu kompensieren, in dem er sich in den Witz flüchtet, so erkläre ich mir die vielen blöden Witze in denen sich Männer, siehe oben über Frauen oder ihren Sex lustig machen, wie wär das eigentlich, wenn ich das umgekehrt formuliere, ist es dann lustig oder der gute nicht vielleicht doch beleidigt und ärgerlich wenn Frauen, dann noch über so einen Witz lachen. Was an dem Video lustig ist, habe ich wie überhaupt den ganzen Film, nicht verstanden, aber ich finde viel nicht lustig und ärgere mich oft in einem Kabarett, wenn jemand auch eine Frau sich ausdenkt, wie sie ihren Mann umbringt und alle lachen oder im Literaturhaus hat einmal einer gelesen, daß er sich Menschen in Käfigen für eine Bioreproduktion hält, auf meine Frage, was daran denn lustig sein, habe ich betroffene Meldungen, daß sie eh nicht gelacht hätten und halt nur so betroffen wären, etc, bekommen, also ich tue mir mit Witzen eindeutig schwer...
Eva Jancak meint: ich finde diese Videos und Beschreibungen der Schreibprozesse total spannend und glaube, daß man damit einen intensiven Einblick in das fremde aber auch eigene Schreiben bekommt, deshalb lese ich das immer interessiert und freue mich über die Einblicke in den fremden Schreibtisch.
Daß man all das nicht verallgemeinern kann ist auch klar, denn das Ergebnis der drei Schreibtage durch drei dividiert, wird auch nicht immer passen, denn einmal geht es total gut, ein andereres Mal sitzt man vor dem Blatt und denkt mir fällt nichts ein oder man rennt herum, telefoniert beginnt die Fenster zu putzen, etc und das hat dann wahrscheinlich mit sich selbst, den Umständen, den Dingen, die man schreibt zu tun etc...
Für mich kann ich nur sagen, daß ich, seit ich das Literaturgeflüster betreibe auch begonnen habe, über meine Schreibprozesse zu schreiben, meine Leser fanden das manchmal ein bißchen unverständlich, für mich selbst war es sehr hilfreich und ich denke,es ist auch interessant, etwas zu haben, was man später nachlesen kann.
In diesem Sinn wieder alles Gute und einen schönen Schreibtag!
Bella meint: ist dir schonmal aufgefallen, dass du jedes deiner videos mit o.k beginnst? sozusagen die wollinger einleitung ;-)
Dieser Nichtschreibtag begann im Hof des Museumsquartiers mit einem Frühstück, und ich schaute einfach nur den Leuten zu. Und meine Kamera, die ich frei laufen ließ, filmte diese Frau mit der grünen Jacke: Mit ihr kam und ging die Sonne …
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Eva Jancak meint: Das tue ich inzwischen auch nur mehr freiwillig, dann aber ganz ohne schlechtes Gewissen
Eva Jancak meint: Das irgendwo sitzen und den Leuten zuschauen ist aber sicher auch eine sehr gute Übung, wo manchmal etwas für den nächsten Roman abfällt, wenn man Glück hat
Christina Wenger meint: Ich finde auch den fast bewegungslos Lesenden rechts im Bild sehr interessant.
Dieser Beitrag wird von Alte Schmiede und mehr « Literaturgefluester zitiert: [...] „Schreiben“erfährt kann und wem das zu mühsam ist, kann sich ansehen, was alles am Ostermontagmorgen im Museumsquartier passierte. Hinterlasse einen Kommentar LikeSei der Erste, dem dieser post [...]
09:40 Frühstück gemacht. Kaffee fertig. Mich über das heutige Blogkommentar Eva Jancak gefreut (für mich sind Tage wie der gestrige und der heutige das Normale, wenn ich an dem Tag sonst keine Termine habe. Das Überarbeiten geschieht mit derselben Intensität, mit dem Unterschied, schon Rohmaterial zu haben, in das ich – kräftigere / stimmigere – Emotionen hineinlege)
09:49 Ich beginne mit dem Durchlesen des Gestrigen. Vorsatz: Die Menschen möglichst positiv darzustellen – Zweifel generiert sich die Leserin allzu leicht selbst.
09:59 Es reißt mich hinein – was für eine Welt ich da erschaffen habe! Und dieser Welt gebe ich noch eine Tiefe, eine geheime Welt. Essen Haferflocken. Mag das Bittere im Kaffee.
11:06 Ich schaue auf. Draußen Sonne. Bin erschöpft. Das kann nicht ewig mit dieser Kraft weitergehen. Ich glaube, ich muss heute raus.
12:51 Noch immer nix weiter gebracht. Sinnloses Herumsurfen. Nicht einmal ein Buch gelesen! Nicht einmal Pause gemacht! Bin wütend auf mich.
Sonne scheint stark.
Ich sage mir: Wenn du etwas tust, Thomas, mache es bewusst!
Schreibe bewusst.
Nichtschreibe bewusst.
Ach, ich habe es nicht leicht mit mir.
Ich mache jetzt Mittagessen.
13:53 Überarbeitung abgeschlossen. Jetzt doch Mittagessen.
14:26 Mir kommt das Schreiben wie ein Ringen vor. Kommt mir vor, als täte ich es ununterbrochen seit gestern 10:00 – klar, dazwischen geschlafen und gegessen und getanzt, aber immer: Schreiben im Kopf gehabt. Ich muss aufpassen.
16:40 Kümmere mich per Fernwartung um den Laptop einer Freundin … ich schreibe nicht. Das tut gut.
18:10 Ich schreibe weiter. Dass Schreiben so mühsam ist.
18:50 Sonnenuntergang und Abendessen.
19:29 Diesen Blogartikel schreiben. Dann erst Abendessen.
20:10 Und jetzt passiert etwas. Eine Klarheit, während ich Zucchini schneide. Ein weites Gefühl, ich öffne mich für etwas Großes. Mein Roman. Er liegt dort, und ich auf dem Weg, jeder Schritt so einfach, und die Luft, die von dort herüber weht, ist so klar. Eine wunderbare Landschaft. … Gibt es eine Bezeichnung für so ein Gefühl?
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Eva Jancak meint: Toll, denn das Schreiben ist ja wirklich etwas Schönes und gut wenn die neunte Fassung noch so ein Ahaerlebnis gibt, ich werde jetzt sicher noch einige Mal von Wien nach Linz und nach Trapani fahren, Aha-Erlebnisse erwarte ich mir dann nicht mehr, aber ein ruhiges vor sich hin plätscherndes befriedigendes Arbeiten, hoffentlich gab es wenigstens ein Osterei?
09:50 Müsli, Kaffee. Sinnloses Herumsurfen, um ein passendes Foto für diesen Artikel hier auf wikipedia zu finden. (Zeitfresser!)
10:05 Der Kaffee ist gut. Dieses Bittere mag ich. Mir fällt ein: ich muss zu IKEA, mir Geschirr kaufen (Ablenker!). Musik: Faithless – Insomnia. Dokument geöffnet. Hineinlesen in das Zuletztgeschriebene.
10:25 Ich recherchiere Fotos von 1940. Ich spüre das Fließen. Gleichzeitig (wie immer): Ich will etwas anderes machen – Wozu denn weiterschreiben, sagt sie Stimme, es geht dir doch so gut! (Ablenker!) Therapie: Hier im Blog tippen.
11:01 Habe Waschmaschine gefüllt und dabei überlegt, wie die Broschüre aus dem Jahr 1936 aussehen soll, in der die Feierlichkeiten zum 300jährigen Bestehen des Violanums festgehalten wurden
11:26 Ich arbeite mich langsam in der Geschichte des Violanums von 1933 zu 1936 vor. Wie sehen Fotos aus der Zeit aus?
12:27 Welche österreichischen Würdenträger besuchten 1936 die Feierlichkeiten? Soll ich jetzt schon die Beziehungen zu den illegalen Nazis andeuten? Ich recherchiere die Leben von Schuschnigg und Seyß-Inquart. Ich entscheide mich: nein.
12:54 Ich habe auf derstandard.at herumgesurft. So halt. (Ablenker! Ablenker!). Bilanz bisher: 2900 Zeichen. Verdammt.
13:09 Ich muss aufpassen, dass ich mit meinen Schilderungen positiv bleibe. Denn die Leserin nimmt ohnehin stets das Schlechteste an (so eröffnete es sich mir beim Feedback).
13:44 Dagmar zeigt meinem Timon die Pistole ihres Großvaters. Ich recherchiere Pistolen von 1945 und entscheide mich für eine Mauser. Das Halfter der Abbildung nehme ich gleichmit.
13:55 Brauche was zu essen. Allerdings funktioniert mein Kopf noch zu gut. Stelle gerade meine Liste fürs Einkaufen zusammen und gleichzeitig trage ich die Szene bei mir … Dagmar und Timon im Bett, zwischen den beiden die Schachtel mit den Andenken an ihren verstorbenen Großvater, wie zum Beispiel die Pistole.
14:37 Heimkehr vom Supermarkt – und dort wieder das Glück gespürt: Kann mir nehmen, was ich brauche, ohne es selbst jagen oder anbauen oder stehlen zu müssen. Brauche nicht hungern. Wie gut ist es doch um mich bestellt im Vergleich zu den Autoren wie Balzac, die um ihr Essen ringen mussten. Bin so dankbar.
14:42 Das die Erdäpfel umgebende Wasser kocht.
15:05 Beginne die Geschichte zu formulieren, in der es um eine jüdische Arzt-Familie geht, die im Weltkrieg im Violanum versteckt und verteidigt wurde. Von Dagmars Großvater, der über Leichen ging, wenn man ihm etwas nehmen wollte. Die Hintergründe zu dieser Sub-Geschichte trage ich schon seit zwei Jahren bei mir.
17:03 Eine blitzhelle Erkenntnis! Wow, was für eine Welt, die ich erschaffen habe, die mir jetzt von selbst ihr Inneres zeigt.
17:52 Ich lese einen eben geschriebenen Absatz und rufe: “Verdammt, ist das gut!” – ich komme in Schreibrage (die Rage = die Wut, das Rasen). Nach acht Stunden hat meine innere Schreibmaschine volle Fahrt erreicht.
18:24 Ich erinnere mich an Überweisungen, die ich seit Tagen machen müsste … erledigt. – Verdammt! Halb sieben! So spät ist schon! Wo rinnt mir der Tag hin? Draußen hält sich die Sonne gerade noch mit Mühe über den Häuserdächern.
18:53 Ich gehe auf und ab. Denke nach. Was genau war der Plan des Großvater, um im 2. Weltkrieg Leben zu retten? Ich darf nicht an Oskar Schindler anstreifen. Musik im Radio:
19:29 Wieder Appetit. Wie das? Hab doch gerade erst Mittag gegessen. Naja, nicht allzu ausgiebig, denn viel Essen macht mich müde. Andererseits ist die Hirnarbeit offenbar energieverschlingend.
19:48 Ich kürze. Muss mich fokussieren. Das ursprüngliche Ziel der Szene ansteuern. Nicht zu viel Information hinein packen. (Ich weiß ja so viel mehr über das Violanum als ich schreiben darf.)
20:19 Heute 9300 Zeichen geschrieben. Ich brauche jetzt mal eine Pause. – Was? Dunkel ist es schon? Jetzt geht es doch gerade mal los!
20:41 Pause. Pause! PAUSE!
00:50 Im Salsalokal meines Vertrauens gewesen. Eine Caipirinha aufgesaugt, soziale Kontakte gehabt, die Tanzenden beobachtet, und das alles mit einem Grinsen, das ich einfach nicht losgeworden bin. Alles war schön: Musik, Menschen, Bewegungen. Ich sah zu, ich tanzte, ich dachte: Wow, was für toller Tag das gewesen war! Wo ich überall gewesen war, heute, an meinem Schreibtisch! So viel erlebt. Danke.
… und möglicherweise interessiert dich auch Folgendes:
Eva Jancak meint: Das ist schön einen so intensiven Schreibtag gehabt zu haben, erlebe ich gelegentlich auch, das Meiste ist bei mir aber die Überarbeitungsroutine, wo sich dann gar nicht mehr so viel tut und ich nur auf die Sprache schaue, wie ist das bei einem so intensiven Umarbeiter?
Geben die verschiedenen Fassungen dann auch jeweils so intensive Schreiberlebnisse her, wo man den Text aufs Klo mitnimmt oder beim Radfahren seine Gruppe verliert, weil man mit den Gedanken ganz woanders ist?
Ansonsten wünsche ich am Tag des Buches schöne Ostern und habe im Radio gerade gehört, daß der Karsamstag ein Tag der Stille ist, wo man sich im Aufhören üben soll.
Dieser Autorenblog ist mein Tagebuch als Schriftsteller. Hier gebe ich intimen Einblick in meinen Schreibprozess, hier spiegle ich meine Literatenseele — damit mir mein eigenes Schreiben klarer wird.