Ihr gesagt, ich fühle mich jetzt, in Anbetracht meines Romanbeginns, wieder einmal als Anfänger, der durch alles wieder durch muss. Wie bei den Brettspielen, wo man zurück an den Start geht.
Sie hat das verstanden.
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Eva Jancak meint: Ja, aber wie schon erwähnt, so richtig stimmt das nicht, denn man ist ja kein leeres Land und auch kein unbeschriebenes Blatt, sondern nimmt alle seine Erfahrungen, Hoffnungen, Ängste, Wünsche und natürlich auch die literarische Vorerfahrung mit. Ich beispielsweise den Zensor im Kopf, der immer "So geht das nicht schreit!", schreit und mich dabei wahrscheinlich sehr behindert, Daniel Kehlmanns Stimme sagt vielleicht "Du bist der Größte!" und manchmal ist man, so wie ich vielleicht, ein bißchen leergeschrieben, weil man hat ja schon alles angeschrieben und man muß sich auch vor seinen Fallen hüten, ich beispielsweise nicht wieder schnell das Selbe zu schreiben etc. Und um es positiv zu formulieren, natürlich nützt die Schreiberfahrung, die man hat und natürlich soll man versuchen ganz von vorn mit leeren Kopf anzufangen und vielleicht ist es auch gut, irgendwo zu wissen, daß es ganz so rein und jungfräulich nicht gehten wird.
Susanne Gregors Buch habe ich übrigens vor kurzem gelesen, ist eine feine neue literarische Stimme im österreichischen Literaturbetrieb
Fredi meint: Dafür hast Du ein wunderschönes Telefon! Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf. :-)
Eva Jancak meint: Ja ein ganz altes, das bis in die Siebzigerjahre in jeden Haushalt stand
Eva Jancak meint: Ja, manchmal passiert es, daß etwas schwächer wird, oft merkt man das nicht selbst oder erst später beim Lesen, deshalb ist das Feedback, die Co-Leser, das Lektorat etc ja auch wichtig. Ich kann mich an eine Schularbeit erinnern, wo ich keinen Schlußsatz hatte, so abgab und dachte "Ein Nichtgenügend wird es schon nicht werden!", die Lehrerin war begeistert, hat das von dem Schlußsatz erwähnt, daß das nichts macht und mir wegen meiner Rechtschreibfehler, die mir schon damals egal waren, ein "Minus Sehr gut" gegeben. Andere Schularbeiten, wo ich dachte, die sind sehr gut, bekam ich kommentarlos ein "gut" oder vielleicht auch ein "befriedigend".
Über meine literarischen Arbeiten kann ich nicht so Auskunft geben, da ich ja nicht viel Feedback habe und auch nicht glaube, daß sie wirklich viel gelesen werden.
Ich habe im Jahr 2000 aber zu schwarz blau eine Geschichte "Widerstand beim Zwiebelschneiden" geschrieben und die mehrmals bei den Widerstandslesungen und so gelesen und die ist dann durch die kleine Zeitschriftenszene gegangen, mehrmals veröffentlicht worden und war, glaube ich auch in dem Widerstandsbuch des Milena Verlags, obwohl ich eigentlich dachte, das ist halt so ein Anlaßtext und eigentlich nicht so bedeutend, während anderes, das ich für besser halte, beispielsweise, die "Mimi" nicht so beachtet oder einseitig kritisiert wurde.
Habe vorhin durch meine letzten Blogjahre geblättert.
Vom ersten, vorsichtigen Beitrag. Hin zu meinen Befindlichkeiten. Weiter über die ersten Textstellen, die mich getraute, unfertig öffentlich zu machen. Danach durch die Phase, wo ich Schreibenden etwas auf ihren Weg mitgeben wollte. Und jetzt …
Ich werde im Offenlegen meines Schreibens zunehmend exhibitionistisch.
Für wen ich das mache? Für mich.
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Eva Jancak meint: Das frage ich mich, die ich mich ja auch sehr offenlege auch und denke, daß wieder beides dabei ist. Da ich 1973, als ich zu schreiben begann, ja ziemlich allein und hilflos war, weil ich niemanden zur Untersützung hatte, bis ich ein paar Jahre später in den Arbeitskreis schreibender Frauen kam, denke ich, ich mache meinen Blog so, wie ich damals gerne einen gehabt hätte, falls da draußen jemand sitzt, der begierig darauf lauert. Aber jetzt haben wir 2012 und das Internet ist voll mit Schreibtipps und Autoren, die ihr Handwerk anbieten und wahrscheinlich gibt es niemanden mehr, der so hoffnungslos naiv und neugierig auf Schreibtipps ist und dann tue ich es natürlich für mich selbst. Mein Blog ist meine Visitenkarte, hat eine meiner Kritikerinnen einmal gemahnt. Natürlich und die Möglichkeit meiner Präsentation, das Offenlegen meines Schreibens , schaut her da bin ich, wenn ich es schon nicht in die Verlagsszene schaffe, ersetzt mir die Laudatio und Danksagung auf den Preisbühnen, denke ich. Und natürlich denke ich, es ist interessant, wenn ich da über mein Scheitern berichte, aber wahrscheinlich sind die Jungautoren inzwischen so selbstbewußt, daß sie sich mit sowas gar nicht derst beschäftigen. Ich denke aber auch, es schon gut, mal was Selbstkritisches zu schreiben und nicht nur "Ich bin so gut!", Sonst sieht man ja eher nur die Erfolgsverwöhnten. Auch wenn ich mir damit vielleicht schade, wie ich manchmal an den Reaktionen meiner Kritikerinnen sehe und den Weg auf die Bühne, den ich vielleicht sonst noch gehabt hätte, endgültig versperre. Aber ich finde das offeneReflektieren über das Schreiben sehr gut und ehrlichund bin deshalb auch ein solcher Fan dieses Blogs, weil ich ja unter den Kollegen leide, die "Darüber rede ich nicht!", sagen, wenn ich sie frage, was sie schreiben und wie es ihnen damit geht? Ansonsten mein erster Gedanke, als ich vorhin das Skelett und noch nicht den Text gesehen habe.
"Nein, Thomas!", habe ich da gedacht "Du schreibst nicht nackt, sondern nimmst all deine Gefühle, Erfahrunge, Erlebnisse, Traumatisierungen etc natürlich mit! Sehe ich dich heute abernd bei der Emily Walton Lesung im Kabinetttheater?"
Was für eine Wendung: Bücherketten als Sanierungsfall – dabei galten die Kaufhäuser jahrzehntelang als Totengräber des Literaturbetriebs.
Kein Wunder, dass der Branchenprimus Random House (Bertelsmann) keine Not verspürt, seine Vertreter mit den Romanen unterm Arm auf Goodwilltour zu schicken. Jede dritte Buchhandlung ist von seiner Besuchsliste gestrichen. Man wolle jetzt öfter „telefonisch kommunizieren“, höhnt es aus München.
Eva Jancak meint: Was habe ich mir da einmal für tolle Bücher aus der Abverkaufskiste gezogen, als ich 2005 einmal im Jänner in Leipzig war? Zum Beispiel "..und leister Jubel zöge ein" Autoren -und Verlagsbriefe 1950-1959 aus dem Aufbauverlag. Den ganzen Tag habe ich begierig z.B am Bahnhof daraus gelesen und im Sommer hat sich dann ein Verleger bei mir gemeldet, der diese Briefe für die Neuausgabe von Ulrich Bechers "Kurz nach vier" haben wollte. Später ist er daraufgekommen, daß das Buch und die Originalbriefe ohnehin schon in seinem Bücherregal stehen. Ja wieder ein Erlebnis, das man beim Bloggen haben kann und das Eingehen der großen Ketten? Schade natürlich, denn da gibt es ja die Bücherkisten mit den Abverkaufsbüchern. Ansonsten höre ich ja immer, daß man nicht da, sondern beim kleinen Händler um die Ecke, bei Anna Jeller beispielsweise kaufen soll. Und ich selber kaufe mir ja keine Bücher, die mehr als ein oder zwei Euro kosten, sondern ziehe sie mir aus den Kisten oder lasse sie mir schenken, womit ich bei Autorenkollegen auch schon sehr angeeckt bin. Aber ich kaufe mir mehrmals im Jahr fünfzig gleiche Bücher, nämlich die Selbstgemachten, die ich dann meistens auch verschenke. Ich lese ja sehr viel, weil mir das beim Schreiben nützt, denke ich und ich neugierig darauf bin, wie das die anderen tun. Die meisten Leute lesen in der Vielfalt des Angebots der anderen Vergnügungen nicht mehr soviel und lernen es vielleicht auch gar nicht mehr so gut in der Schule. Das schlägt sich dann auf den Buchumsatz aus, den ich ohnehin nicht so ganz verstehe. Wurden da ja vor kurzem in Deutschland eine Million Bücher am Tag des Buches verschenkt. Das die die Leute dann nicht kaufen, liegt auf der Hand. Schade also, aber wenn ich an etwas nicht leide, ist der Mangel an Büchern. Da habe ich wirklich einen Überfluß. Und zuletzt, Amazon ist ja eine Konkurrenz und das E-Book vielleicht auch!
Bin unruhig. Meine Gedanken sind schnell, aber kein Vorwärtsdenken mehr, nur mehr ein Kreiseln.
Hör auf, Thomas! Mach etwas anderes. Nimm Geschwindigkeit heraus.
Viel weiter gegangen ist in der letzten Zeit – sieh das doch ein, Thomas! Du hast an deiner Sprache gearbeitet, der Plot ist stabil wie nie, du hast sogar eine Einleitung, die du vorlesen kannst …
Aber immer diese Enttäuschung, dass zwei, drei oder gar vier Schreibtage zu Ende gehen, ohne dass der Roman in seiner vollen Größe abgeschlossen ist.
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Eva Jancak meint: Ja, das kenne ich sehr gut, gibt es dafür eine Lösung?, wollte ich schon lange den Schreibexperten fragen. Ich denke da ja immer "Zeit lassen, du mußt nicht schreiben!" und bin dann jedesmal noch hektisch voran gerannt und immer schneller an der Wand gelangt, um dann wieder von vorne anzufangen. Wahrscheinlich ist die Lösung ein Kompromiß, denn wenn ich schreibe "Mir fällt nichts ein!", schreibe ich ja auch und ich denke mir dann immer, wenn ich wieder von vorne anfange, komme ich ja auch weiter und halte eigentlich schon sehr viel von der Meinung, daß man durch viel Schreiben besser werden muß, aber das Zeit lassen, ist für den, der es zusammenbringt, sicher auch ein guter Rat! Also viel Erfolg, nicht aufgeben, es wird schon weitergehen und dann denke ich noch, was in einer solcher Situation bestimmt weiterhilft ist Lob, Feedback, Anerkennung und ein aufmunterndes Wort. Ein "Das wird nichts, geh in ein Schreibseminar und ich habe dir es ja gleich gesagt!", kann man da bestimmt nicht brauchen
Ich mache einen Schritt und meine Gedanken stieben auseinander, runter vom Schreibtisch, und huschen in dunkle Löcher.
Ich setze Kopfhörer voller Musik ein, um sie herauf zu zwingen.
Meine Erfahrung lehrt mich: Ich habe eine Chance. Nämlich dieses Flüchten zu meiner Schreibhaltung zu machen. Es meinem Romanhelden umzuhängen, der nicht dort sein will, wo er ist. Der nie dort sein will, wo er ist, daher die Unruhe, die ihn frisst.
Das ist Arbeit. Grobe Worte. Henry Miller, schau oba!
PS: Folgendes Video zeigt so ein Gedankenwesen, das auf einem Tisch geboren wird, sich umschaut. Einer ruft “Don’t touch it!”, und dann haut es ab, das Gedankenwesen. Versteckt sich im Dunklen, aber es ist nicht weit. Hinter mir. Ich höre sein Atmen.
PPS: Lieber tippe ich Blogeinträge und suche passende Videos als zu schreiben … na, wenn das nicht symptomatisch ist!
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Eva Jancak meint: Die Antwort ist wahrscheinlich so oder so. Natürlich ist es ein Flüchten, wenn man, statt seinen Roman weiterzuschreiben bloggt, surft, etc. Andererseits kann gerade das sehr heilsam sein und Platz für die nötige Inspiration machen. So daß die Psychologin beides rät, einen Plan zu machen und möglichst eine gute Disziplin und Arbeitshaltung aufzubauen, ohne die das Schreiben nicht geht. Dann aber ist es glaube ich, wahrscheinlich statt vor dem leeren Blatt zu sitzen, besser, hinauszugehen und sich abzulenken, wenn nichts weiter geht, weil es dann, wenn es die nötige Entspannung gibt, wahrscheinlich schneller ganz von selber weitergeht, als wenn man verkrampft ist. Ich bin durch beide Phasen durchgegangen. Am Anfang, wo ich sehr gehemmt und schüchtern war, habe ich die Diziplin und das sich Zwingen gebraucht, da war schlechtes Schreiben besser, als gar keines. Jetzt, wo ich ein wenig ausgeschrieben bin, ist das Kraft und Materialsammeln wahrscheinlich angezeigt und ich bin auch schon so weit, mich nicht zum Schreiben zu zwingen, sondern ruhig ein wenig vor mich hinzutrödeln, sprich zu Bloggen oder Kommentare schreiben, viel Glück, viel Erfolg und ein schönes Wochenende, vielleicht beim Stadtfest in Wien, denn da lesen Milena Michiko Flasar und Josef Haslinger und können vielleicht auch inspirieren
Bin ein sehr schlechter Leser. Hab immer nur die gleichen Dinge gelesen, die ich geliebt habe.
Als ich 27 war, wusste ich, dass ich nicht mehr schreiben will, nicht mehr schreiben werde. Sie sehen, dass ich den Schwur nicht gehalten habe. Da habe ich alles, was ich geschrieben hatte, verbrannt. Und das war auch sehr gut.
Eva Jancak meint: Das ist ein schöner alter Film, vor allem die uralt Aufnahmen von Rom mit diesen Autos sind beeindruckend und dann natürlich das Pfeife rauchen. Darf man das heute noch öffentlich zeigen. Ich habe demnächst Max Frisch "Montauk" auf meiner Leseliste auf das ich mich schon sehr freue. die Beziehung Max Frisch Ingeborg Bachmann wäre ja auch ein Thema und der Satz zu Schreiben, weil man ja irgendetwas machen muß ist sehr interessant, vielen Dank für den Kurzausflug in die Vergangenheit und nach Italien, muß übrigens ein sehr humorvoller Mann gewesen sein
Dieser Beitrag wird von Montauk « Literaturgefluester zitiert: [...] eher durch Thomas Wollingers Blog, der mehrmals über Max Frisch berichtete, bzw. diesbezügliche Videos einstellte, aufmerksam geworden und habe mich auf das Lesen von “Montauk” schon sehr [...]
Die Sprache soll der Dringlichkeit des Romanhelden gerecht werden. Sie soll dennoch verständlich sein. Hier nun das Zwischenergebnis meiner Suche nach der geeigneten Sprache für den kommenden Roman.
Erstens.
Wegen der Dringlichkeit breche ich mit Üblichem. Regeln bewusst widersprechen. Eine Regel lautet: Eine Geschichte wird entweder in der Ich-Form, von einem personellen Erzähler oder von einem auktoriellen Erzähler vermittelt. Beachte das Entweder-Oder-Oder.
Ein Ich-Erzähler kann deshalb niemals wissen, was im Kopf eines anderen Menschen vor sich geht. Das macht es ja auch spannend, sagt man, denn dann ist es dem Leser überlassen, zu spüren, was in anderen Menschen passiert, das ist wie in einem Film, sagt man …
Der Roman ist in der Ich-Form und zugleich in der auktoriellen Erzählperspektive. (In nachfolgendem Beispiel gibt es eine Stelle, die auktoriell ist … findet ihr sie?)
Zweitens.
An meinem Grundsatz “Show, don’t tell” möchte ich dadurch rütteln, dass ich mich auf eine wertende Innensicht konzentriere (inspiriert durch Henry Miller). Im Vordergrund stehen Wertungen und Meinungen, sie überdecken das Gesehene. (Aber nur augenscheinlich. Denn tatsächlich ist das Darstellen von Wertungen wertungsfrei – denn eine Wertung/Meinung sehe ich hier als sinnlich erfahrbares Objekt. So habe ich Henry Millers wertenden Stil auch erfahren.)
Drittens.
Die Dringlichkeit und Zerrissenheit stelle ich durch ein inneres Streitgespräch dar. Denken ist Widerstreit.
Hier die aktuelle Fassung des Romanbeginns:
Ich biege in die Johannesgasse ein und stehe vor dem La Cabaña. Das ist, von außen betrachtet, eine Metalltür. Eine mit Sichtfenster. Gegen die schon einmal jemand getreten hat, mit dem Fuß, denn unten hat das Metall eine Delle. Aber das ist nicht wichtig, denn das La Cabaña ist ein Tanzlokal, und Samstagnachts rasten Menschen nun einmal aus, und wer weiß, wann das passiert ist, vielleicht schon vor Jahren, und vielleicht ist gar keiner mit dem Fuß dagegen, sondern es war ein Versehen und es hat mit der Baustelle nebenan zu tun …
– Hör auf, so hektisch herumzudenken!
– Was soll ich sonst denken?
– Dass heute Sonntag ist, und dass du tanzt.
Ich drücke gegen die Tür. Ohne Erfolg.
– Und wie soll ich tanzen, wenn die Tür nicht aufgeht? Ich kann Salsa ohnehin nicht ausstehen.
Ich ziehe am Türgriff. Die Tür geht auf, und vor mir ist eine Treppe. Die führt mich hinab, wo die Musik herkommt. Salsa. Dieses hektische Netz aus Trommelschlägen und Trompetengetue, wo ich mir beim Tanzen so schwer tue, den ersten Schritt herauszuhören. Nach der letzten Stufe stehe ich an der Garderobe. Eine zierliche Frau mit langen, dunklen Haaren reicht dem Mann hinter der Garderobe ihre Jacke. Er ist ein Schwarzer, kleiner als ich, aber mit einem Oberkörper, wie man ihn mit nur viel Arbeit im Fitnessstudio bekommt, mit Oberarmen so prall, dass ich sie nicht mit beiden Händen umfassen könnte.
Als die Frau ihm eine Münze hingeschoben hat, dreht sie sich zu mir um. Ihr Blick schnell an mir, von unten nach oben. Binnen einer Sekunde denkt sie sich: Schlank, groß, aber zu jung. Ich brauche doch einen, mit dem ich ein Kind kriegen kann, bevor ich vierzig bin.
– Ja, ihr Frauen, ihr entscheidet euch sofort. Ja oder nein. Sex oder nicht. Binnen des Bruchteils eines Gedankens. Soweit kenne ich die Zusammenhänge schon.
… und möglicherweise interessiert dich auch Folgendes:
Eva Jancak meint: Spannend, ob es gelingen wird, die gefundenen Sprachstile durchzuhalten, meine Erfahrung ist, daß ich sehr schnell vom Vorgenommenen ab- und zu meinen eigenen, vielleicht auch, Unzulänglichkeiten zurückkomme. Also wieder viel Erfolg und ich bin wieder etwas unsicher, ob der kommenden Projekte, denn da gibt es offenbar doch etwas anderes, als den Roman der zwischen der Archäologin und dem Violanum kommt, das mich irgendwie an das Englisch-Experiment erinnert oder irre ich mich da?
Michael Luger meint: Lieber Thomas,
ehrlich gesagt, warum soll ich weiterlesen? Ich meins nicht bös. Nach der kurzen literaturwissenschaftlichen Einführung/Analyse, mit der sich schon jeder einmal auseinandergesetzt hat, der sich den Füller ernsthaft in die Nase gesteckt hat, kommt dann schon sehr viel Mattes in wenigen Zeilen.
Wirkt platt und nicht wirklich du. Style over Substance?
Ich weiß schon, auf was du hinaus willst ... ach was, ich will ja gar nichts beschönigen.
Ich hab dich trotzdem gern. :)
Liebe Grüße
Michael
Thomas Wollinger meint: Hallo Michael,
Du verleihst diesem Blog noch viel mehr Sinn als er eh schon hatte - nämlich mich mit nützlichem Feedback zu beschenken, das mich weiterbringt. Danke für dein Kritik. Yeppaa!
(Ach, das erinnert mich an die good old days von GRAUKO mit dieser Strenge der ersten Stunden).
(Für alle, die es nicht wissen: Michael ist GRAUKO-Mitglied der ersten Stunde, derzeit seltener bei den Treffen, und dennoch, wie man sieht: er ist voll da!)
Fredi meint: Und da streichst du gerade den Garderobier, der dieser Szene den entscheidenden Dreh gibt? Da gibt es andere, redundantere Sätze finde ich.
Wie soll ich denn meinen kommenden Roman schreiben? Mit welcher Sprache? Mit welcher Schreibhaltung?
Ich nehme ein wichtiges Buch. Sexus. Ich öffne es, an einer zufälligen Stelle. Ich lese folgendes:
Ich weiß nicht, was zum Teufel ich zuerst niederschreiben soll. Es gibt so viel zu sagen.
Ich habe nämlich das Gefühl, als würde ich platzen. Tatsächlich ist mir das Elend der Welt völlig gleichgültig. Ich nehme es als gegeben hin. Was ich möchte, ist, mich aufzuschließen. Ich bin wie ein Schwachsinniger mit einem Büchsenöffner in der Hand, der sich fragt, wo er anfangen soll, die Erde zu öffnen. Ich weiß, dass unter all dem Dreck alles wundervoll ist. Ich bin dessen sicher. Ich weiß es, weil ich mich selbst meistens so wundervoll fühle. Und wenn ich mich so fühle, erscheinen mir alle wundervoll … alle und alles … sogar Kieselsteine und Pappestücke … ein im Rinnstein liegendes Streichholz … alles … ein Ziegenbart, wenn du willst. Darüber möchte ich schreiben – aber ich weiß nicht, wie … ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht ist es zu persönlich.
… und möglicherweise interessiert dich auch Folgendes:
Eva Jancak meint: Aber letztlich muß es natürlich wie Wollinger sein und da sind wir schon wieder bei der Diskussion wieviel der Autor lesen soll oder muß? Lesen kann man ja meistens "Viel viel viel!", die meisten Autoren scheinen das dann weniger zu tun, um, wie sie sagen sich nicht von Satre, Miller etc beinflussen zu lassen. Ich selber halte es mit dem Lesen und lerne auch sehr sehr viel davon, zuviel darf man sich davon natürlich nicht beeinflußen zu lassen, bei mir wird dann aber sowieso eine "Jancak" daraus und so soll es ja auch sein. Viel Erfolg und einen schönen eigenen Schreibbeginn!
Fredi meint: Alle sind am platzen. Alle. Und ich gebe Jancak recht. Wer Miller lesen will soll es tun, wer Hemingway lesen will soll es tun, wer Hesse lesen, Zweig, und den ganzen Rest lesen will: soll es tun.
Allerdings: platzen tun deswegen weiterhin alle.
Alle sind am platzen.
Da kann der Miller mit seinem Büchsenöffner jonglieren wenn er will, es interessiert ja niemanden in Wahrheit, was der Miller mit dem Büchsenöffner macht, oder nicht macht. Oder schau ich ein youtube von Thomas Bernhard, dem war es auch immer dringlich. Na der platzt dann im Interview, die immer großartig sind.
Trotzdem platzen alle weiter.
Geplatzt wird nonstop: 24/7, dazwischen geht mal eine rauchen und redet über Celine oder Camus. Und dann?
Platzen alle weiter.
Ok! Wie der Miller das meint ist schön. Da geht man mit. Gemeinsam platzen. Wie Luftballons die immer höher steigen, der Sonne entgegen...bis sie platzen. Dann platzen alle irgendwie gemeinsam.
Und dann?
Steigen die nächsten Luftballons, bis sie platzen...
Dieser Autorenblog ist mein Tagebuch als Schriftsteller. Hier gebe ich intimen Einblick in meinen Schreibprozess, hier spiegle ich meine Literatenseele — damit mir mein eigenes Schreiben klarer wird.