Ein literarisches Muster: Starke Frau in historischen Roman

Es gibt Muster in der Literatur. Eines von diesen ist der historische Roman mit einer intelligenten Frau, die sich in einem männerdominierten Milieu bewähren muss. Sie tut dies mit einer Denkart, die dem 20. Jahrhundert entnommen ist (weil ja die Autorin auch im 20. Jahrhundert sozialisiert wurde) – und dadurch verhält sich die Heldin für damalige Verhältnisse revolutionär. Jedoch endet ihr Wille nach Selbstständigkeit dann, wenn die Heldin um die Liebe eines Mannes ringt – als könnte die wahre Erfüllung einer Frau nicht bei ihr selbst liegen, als wäre alle Selbständigkeit ein Mittel, um die Liebe eines Mannes zu erlangen.

Hier nun drei (wirklich sehr) willkürliche Beispiele, und ich gestehe gleich, ich habe sie nicht gelesen.

Sina Beerwald: Das Mädchen und der Leibarzt.

Hebamme, Heilerin, Vertraute: Wie weit kann sie gehen, um andere zu retten? Quedlinburg im 18. Jahrhundert. Die Hebamme Helena sieht den Schwarzen Blatterntod um sich greifen. Angesichts des Leids schwört sich die wissbegierige junge Frau, ein Gegenmittel zu finden. Als Helena fast am Ziel ist, muss sie dafür nicht nur das Leben ihrer großen Liebe aufs Spiel setzen, sondern auch ihr eigenes. (Quelle)

Sabrina Capitani – Das Spiel der Gauklerin.

Vor dem Hintergrund großer zeitgeschichtlicher Änderungen und einer höfischen Intrige entfaltet die Autorin die berührende Geschichte einer musikalisch begabten jungen Frau, die sich nicht nur in einer Männerwelt behaupten muss, sondern begierig ist, tiefer in die Welt der Musik einzudringen und beispielsweise Noten lesen zu lernen, um ihre eigenen Kompositionen niederschreiben zu können. Wird sie eine Fahrende bleiben und mit ihrem gebildeten Freund Jacobus nach Amsterdam ziehen oder nimmt sie das andere Angebot wahr, dass sich ihr überraschend bietet – eines für dass sie allerdings dauerhaft seßhaft werden müsste? (Quelle)

Helena Marten – Die Kaffeemeisterin

Frankfurt 1729. Nach dem Tod ihres Mannes gelingt es Johanna mit Mut, Einfallsreichtum und der Hilfe des jüdischen Musikers Gabriel, das Kaffeehaus der Familie zum besten der Stadt zu machen. Bis eine üble Intrige sie aus Frankfurt vertreibt. Über Venedig flieht sie nach Konstantinopel, wo sie zur Kaffeemeisterin des Sultans aufsteigt. Doch nie kann Johanna die Heimat vergessen — und auch nicht ihre geheime Liebe zu Gabriel … (Quelle)

Eine Liste solcher historischer Romane findet ihr auf lovelybooks.de.

PS: Solche Romane werden oft mit „Die XXXXXXin“ betitelt (Die Kaffeemeisterin, Die Philosophin, Die Wundärztin, Die Seiltänzerin, Die Archäologin, Die Pilgerin, Die Kastellanin)

PPS: Ja, ja, ich gebe es zu, „Die Achäologin“ stammt von mir und der Roman handelt von einer starken Frau, die … aber sie findet nicht die große Liebe am Schluss! Sie wird stattdessen irgendwie, äh, wie soll ich sagen, nun, seltsam wird sie, aber immerhin, sie läuft nicht Amok, weil die Verlegerin gemeint hat: „Der Schluss, der ist ja schon ein bisserl pathologisch“ – woraufhin ich das Morden der Archäologin weggelassen hab. Ich bin ja adaptiv.

2 Gedanken zu „Ein literarisches Muster: Starke Frau in historischen Roman“

  1. Es ist nunmal die dringende Benötigung der Liebe, die starke Frauen mental schwach macht (und körperlich hingabewillig), so wie es der dringend benötigte Sex ist, der starke Männer emotional schwach macht (und emotional bindungswillig). Wenn die Frau nicht mental zu schnell schwach wird…Die Folge ist, daß Mann und Frau zusammen kommen. So was das ja auch gedacht…

  2. Ja es gibt viele starke Frauen, die in der Literatur werden sie meistens von Männern beschrieben, die damit ihre Fantasien ausleben, dann gibt es aber auch die Frauen, die schreiben und da sind auch einige starke (Nobelpreisträgerinnen) wie Herta Müller, Elfriede Jelinek dabei und wir sind auch bei der Frage, ob Frauen anders als Männer schreiben

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