Innen wie außen

Wie nenne ich solche Momente? Die so plötzlich und so klar sind, und Schweres ist leicht, und Großes schiebt sich in Großes, sacht und präzise wie in einem Uhrwerk. Ich hatte als Kind eine Art Traum: Ich hielt in meiner Hand einen Stein – oh wie ich ihn heute noch spüre! Ein glatter, kleiner Stein. So schwer wie ein Haus.

Schwer und leicht. Enorm und winzig. Alles eins. So auch die heutige große Erkenntnis: Innen ist außen. Alle äußeren Geschehnisse im Roman spiegeln in Wirklichkeit innere Geschehnisse Timons.

Der Mord an Sophie jetzt und das Krankenhaus mit seiner vierhundertjährigen Geschichte und … und … und … das ist alles eine Abbildung von Timons Innenleben. Alle äußeren Abgründe sind seine inneren.

Wenn Timon die äußeren Abgründe überleben soll, dann muss er sich den inneren Abgründen stellen. Seine Kindheit, seine Eltern, seine Geschichte, das ist im Außen die vierhundertjährige Geschichte des Violanums. Seine Mutter ist im Außen die allgegenwärtige Viola. Und Sophie, die Ermordete? Sein Versagen, nicht bei ihr gewesen zu sein? Da lastet eine Erbsünde auf ihn (“Männer sind in den entscheidenden Momenten des Lebens nicht da.”) – das gleiche Thema trägt Stephan wegen seiner toten Viola seit vierhundert Jahren.

Kann sich Timon selbst lieben, wird es für ihn Liebe geben, wird er Liebe wahrnehmen. Sind seine Themen gelöst, ist das gesamte System Kronstein/Violanum erlöst.

Ich (erschrocken): Welche Abgründe soll Timon denn haben? Ich kenne sie nicht!
Thomas: Dann finde sie heraus.
Ich: Ja, wie denn?
Thomas: Mach dich zu Timon. Schau in dich hinein. Auf deine Widerstände.
Ich: Ich will das nicht.
Thomas (grinst): Na, das ist doch schon ein Anfang! Dein Widerstand, in dich hinein zu schauen. Mit dem kannst du doch schon prächtig arbeiten, für’s erste.
Ich: Außen ist innen. Der Roman ist das Außen, das mein Innen spiegelt, meinst du das?
Thomas (pfeift, scheinbar unkonzentriert)

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