Caravaggio

Das Dunkel deines Angesichts,
das Weiße deiner Lippen,
fleischig deine Augenlider
und schwarze Locken wie von dir,
so malst du dem Geköpften das Gesicht.

»Seht her, so komme ich zu euch!
Caravaggio, euer missratener Sohn,
gesündigt und vertrieben,
von euch zum Ritter geschlagen und
in eure Kerker geworfen.
Ihr wolltet von mir Marias Himmelfahrt
und ich zeigte euch das tote Fleisch einer Hure.
Ihr wolltet von mir den ungläubigen Thomas
und ich zeigte euch Wunden, so tief und grausam,
dass niemandem ein Zweifel bleibt.
Ihr wolltet Jesus sehen
und ich führte euch hinein
in das Dunkel seines Angesichts.
Ihr wolltet den Kopf des Johannes
und so halte ich euch meinen hin.
Das ist mein Preis – ich flehe euch an!
Rom, schenke mir mein Leben.«

»Es tut uns leid.
Dein Kopf, er kommt zu spät –
alle deine Götter sind schon tot.«


Entstanden am 3. 9. 2009 im Rahmen der Lyrikschreibwerkstatt mit Evelyn Schlag in Langschlag. Die Aufgabe lautete: Schreibe ein Gedicht, dessen erster Satz von einem anderen Teilnehmer stammt.

Schreib was dazu ...