Heute erkannte ich (wieder einmal), wie ich einen Roman schreibe

Ich habe dank des Rückwärtsschreibens der letzten Kapitel wieder etwas gelernt. Einen großen Zusammenhang über mein Schreiben, der – wenn ich genauer darauf geachtet hätte – mir schon vor zehn Jahren auffallen hätte können.

Nehmen wir an, eine Romanfassung ist eine Abfolge von beschriebenen Ereignissen E1 – E2 – E3 – … – EEnde

Früher dachte ich, im großen und ganzen ginge ich folgendermaßen vor:

  1. Ich schreibe E1
  2. Ich schreibe E2
  3. Ich schreibe E3
  4. Ich schreibe E4
  5. und so weiter
  6. und bin irgendwann fertig mit EEnde und somit mit dieser Romanfassung.

In Wirklichkeit ist es so:

  1. Ich schreibe E1
  2. Ich schreibe E2
  3. Ich schreibe E3
  4. Ich stocke im Schreiben. Ich erkenne: ich war zu schnell. Zwischen den Ereignissen E1 und E2 liegt noch so vieles, in das ich emotional hineinsteigen muss.
  5. Ich schreibe E1a
  6. Ich schreibe E1b
  7. Ich betrachte das bisher geschriebene: E1 – E1a – E1b – E2 – E3 und erkenne: da liegt noch einiges dazwischen, bevor ich sonnvoll E4 angehen könnte.
  8. Ich schreibe E1a1
  9. Ich schreibe E1a2
  10. Ich betrachte das bisher geschriebene: E1 – E1a – E1a2 – E1a2 – E1b – E2 – E3
  11. und so weiter
  12. und bin irgendwann fertig mit EEnde und somit mit dieser Romanfassung.

Am Anfang habe ich es eilig, zum Schluss EEnde zu gelangen. Ich hetze. Andererseits kenne ich meine Romanpersonen noch nicht so gut. Dann kommt oft die Kritik, dass ich zu dicht schriebe. Zu viel Handlung, zu viele Referenzen in zu wenig Zeilen. Kein Verweilen für den Leser. Kein Mitleben. Das führt also dazu, dass die als Einstieg geplanten Ereignisse in meinen Roman immer mehr Raum einnehmen, so lange, bis sie den Hauptteil meines Romans ausmachen (so geschehen etwa in der Archäologin).

Interessanterweise sind die eingefügten Stellen wie E1a2 oder E1b die besten (im Sinne, dass sie am meisten Emotionen beim Leser auslösen). Es sind meist Stellen, wo die äußerliche Handlung E1 – E2 – E3 nicht vorangetrieben wird. Aber es sind jene Stellen, wo sich im Inneren der Personen am meisten tut.

(Das Kürzen von Ereignissen und das Umstrukturieren hab ich jetzt hier noch nicht betrachtet.)

Ein Gedanke zu „Heute erkannte ich (wieder einmal), wie ich einen Roman schreibe“

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