Lieber Blog, hilf mir, dass ich in das Gefühl “Schuld”…

… hinein finde, dass ich die rechte Schreibhaltung finde, für das, was nun kommt.

Blog: Gerne helfe ich dir. Sag, was kommt denn Timon in den Sinn, wenn er an „Schuld“ denkt?

Autor: Dass er ein Buch einmal nicht zurückgegeben hat und dass das schon 1993 war und er sich immer wieder daran erinnerte und dass das wohl nie aus seinem Kopf gehen wird. Ein dummes Beispiel, das weiß er auch…

Blog: Und warum ausgerechnet die Erinnerung an dieses Buch? Warum fühlt er sich nicht schuldig, weil er Sonntagszeitungen stiehlt?

Autor: Weil es mit Vertrauen zu tun hat – weil er versprochen hatte, dass er das Buch ganz sicher zurückgeben würde. Das Buch tut ihm immer noch weh.

Blog: Hat er das Buch noch?

Autor: Ja.

Blog: Er kann es ja zurückgeben.

Autor: Nein, sonst würde er seine Schuld offen eingestehen.

Blog: Schuld und Vertrauen gehören für Timon zusammen?

Autor: Und Versagen. Er ist schuldig, weil er Erwartungen nicht erfüllt hat.

Blog: Und woher kommen die Erwartungen?

Autor: Na, von den anderen. Aus ihm selbst.

Blog: Timon kann ja sagen: Das mache ich nicht. Zum Beispiel bei Sophie: „Ich will nicht mit dir nach Kronstein ziehen, ich will lieber in Wien weiterleben.“

Autor: Timon macht das nicht. Timon weicht Konflikten aus.

Blog: Du meinst, Timon ist konfliktscheu, bürdet sich stillschweigend Erwartungen auf, die er nicht erfüllen kann/will?

Autor: Eigentlich ja. Und die Erwartungen kommen von seinen Eltern, von seiner Erziehung. Und von seiner Mutter hört er „Männer entziehen sich ihrer Verantwortung“ – solches Verhalten verabscheut er, dennoch (oder gerade deshalb) tut er es. Und hasst sich dafür und dieser Hass…

Blog: Ja! Es wird! Weiter!

Autor: … und dieser Hass entlädt sich dann auf einen anderen Menschen (Marx). Auf einen, der ihn auf diesen wunden Punkt hinweist. Wobei dieser Marx vielleicht durch seine bloße Art Timon reizt, nicht so sehr durch das, was er tut. – Zum Beispiel, wenn Timon meint, Marx hätte seine Frau im Stich gelassen? Und wenn Marx Timons Verhalten spiegelt? Wir wissen ja, dass man auf das am stärksten reagiert, was man von sich selbst beim Gegenüber erkennt.

Blog: Ich glaube, du hast es.

Autor: Ich danke für dieses Gespräch, lieber Blog.

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