Beispiel einer Kritik oder: Neue Lebensphase II

Ich habe I., eine sehr wertgeschätzte Kollegin, um ihre Meinung gebeten. Es ging um eine Stelle, die ich vor ein paar Tagen geschrieben hatte.

Ihre Rückmeldung will ich hier als Beispiel einer gelungenen Kritik anführen. Ich erfahre, was ihrer Meinung nach nicht funktioniert und was sehr wohl funktioniert. I.’s Kritik hilft mir, mich zu orientieren. Kritik muss nicht immer versuchen, objektiv zu sein; so spricht I. auch ihre persönliche Schwierigkeit mit einem Charakter an.

Hi Thomas,

hier mein Statement zu deinem Angelika-Timon-Text:

„Es begann damit, dass Angelika mich beim Frühstück fragte, wie es mir denn GEHE (statt geht = indirekte Rede).“

Zu viel Reflexion im Absatz „Ich hätte „Danke, gut“ sagen können, aber ich kann ….. bis „dass ich programmiere.“
Könnte man einkürzen, mir wars beim Lesen halt etwas too much.

Der „aggressive Frühling“ (tobte, stießen Knospen, pressten Halme …) ist sehr gut beschrieben.

„Angelika sagte, sie WOLLE :..“ (wieder indirekte Rede)

„Ich nahm einen dicken, ausgetrockneten, kahlen Ast“ = kürzen!
Dicker kahler Ast, ausgetrockneter kahler Ast … such dir was aus …..

Wortwiederholung bei:
„Ich bückte mich vor ihr ….. Gebückt trug ich sie.“

Schön: winteralte Blätter, frühlingsfeuchte Erde.

„Ich zog meine Jacke aus und …. sie mir UM den Bauch.“

Weniger gut: „Ich hingegen schleppe grundsätzlich einen Fettpolster …“
Besser: „immer einen Fettpolster“ oder so.

„Angelika rutschte von mir ab, fragte“ (= Beistrich nach ab unbedingt erforderlich!)
„Denn dieser Weg hier ist für Angelika zu steil (ist: löschen!)

„Der Aussichtsplatz war eine staubige (!) Fläche, bienensummendes (!) Geräusch dahinter.“

Woher kommt die Sophie an dieser Stelle?
„Sophie und ich standen an einer hüfthohen Mauer …“ Rückblende in die Vergangenheit oder Fehler?

Schön: „Und wie bei mir huschten die Fledermäuse still zwischen dir und dem Abgrund.“

Allgemeines:

Sehr gelungene Beschreibung dieses Spaziergangs. Timons Nichtmehrkönnen sehr anschaulich beschrieben. Alles in allem eine gute, wenn nicht sogar sehr gute Szene, die viel aussagt über die beiden …..

Womit ich noch immer etwas „kämpfe“, aber das ist sehr persönlich:
Timon und sein Körper, ich seh immer irgendwo noch einen schlanken, athletischen, wenn auch nicht unbedingt durchtrainierten „Keichlo“ vor mir …und muß mich erst langsam an „Timon“ gewöhnen …. ist aber ok. Schließlich ist es deine Figur und ich muss sie nehmen, wie sie ist. Hihi.

Hab ich helfen können?

Liebe Grüße
I.

… ja, das hast du! Danke.

Schreib was dazu ...