Ein Satz wird überarbeitet. Beispiel einer Autorenzusammenarbeit.

Isolde und ich schreiben an einem Roman. Und Basis unserer Zusammenarbeit ist, den Text des anderen beliebig überarbeiten zu können – es gibt kein „mein Text“ und „dein Text“, sonder ein „unser Text“.

Hier ein Beispiel – ich habe es anonym gemacht, weil es irrelevant ist, wer was verändert. Autor X schrieb:

Milan schloss die Tür auf, es gab zwei Schlösser, eines davon in der Mitte der Tür, das andere ganz
unten.

Autor Y machte daraus:

Milan schloss die Tür auf, es gab zwei Schlösser, eines davon in der Mitte der Tür, das andere so weit unten, dass er sich bücken musste.

Was ist nun anders? Hier ist Bewegungn drinnen – statt des „ganz unten“ wird gezeigt, was es für Milan bedeutet, dass das Schloss so weit unten ist – er muss sich bücken. Die Situation wird sinnlicher. Show, don’t tell.

Das Skurrile ist, dass mit der Überarbeitung durch Y der Text eher dem Stil von X entspricht als seine Erstfassung.

Ein Gedanke zu „Ein Satz wird überarbeitet. Beispiel einer Autorenzusammenarbeit.“

  1. Das wirft natürlich interessante Fragen auf, ich habe schon geschrieben, daß ich bezüglich Teamarbeit etwas skeptisch bin, obwohl ich auch ein Buch mit einer Co geschrieben habe, das war aber ein Sachbuch. Wie ist das aber mit einem literarischen Text, wenn sich die Stile vermischen, wenn der Bernhard mit dem Handke beispielsweise, was machen dann die Literaturkritiker in fünfzig Jahren? Bei Handke und Bernhard undenkbar, während das Internet und neuen Möglichkeiten der Technik ja vieles möglich machen. Wenn das Buch dann erscheint, ich nehme an, es wird ein Erfolg und hat dann zwei Autorennamen, können sich die Dissertanten oder die, die heute ihre Diplomarbeiten darüber schreiben, die Köpfe anstrengen, wo ist da jetzt der Wollinger und in welcher Weise beeinflußen sich die Autoren,? Nochmals interessant, wenn die das dann selber nicht wissen, mir wäre das zu steil, aber ich bin wahrscheinlich ein bißerl konservativ

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