Kleine Online-Schreibwerkstatt 3/6: Konstruktives und wertschätzendes Feedback.

Die beste Art, einem schreibenden Kollegen zu helfen, ist, ihm ein Feedback zu geben, das ihn weiterbringt. Davon handelt folgendes Video…

Der Text, zu dem ich in dem Video ein Feedback gebe, stammt von Aufgabe eins der kleinen Online Schreibwerkstatt:

Einen kurzen Moment lang hält Eva inne.

Die Sonne brennt heiß auf ihre Schultern, und sie fühlt kleine Schweißperlen zwischen ihren Brüsten hinab rinnen.

Die Messlatte in ihren Händen erscheint ihr plötzlich wie ein Symbol, jede Markierung steht für einen Abschnitt ihres Lebens.

Sie beginnt zu zählen…und markiert mit der linken Hand die Stelle, an der sie gerade steht.

Was habe ich schon alles hinter mir gelassen…was ist unwiederbringlich Vergangenheit…und was steht mir wohl in Zukunft bevor?

Ihre Gedanken kreisen.

Wie wild beginnt ihr Herz zu pochen.

Ein kleiner Schauer rieselt, beginnend im Nacken, die Wirbelsäule hinunter und verursacht trotz drückender Mittagshitze Gänsehaut… und ein durchaus angenehmes Prickeln.

Eva lächelt.

Er steht am Rande der Grube und blickt zu ihr hinunter.

Und hier geht es zur nächsten Übung

5 thoughts on “Kleine Online-Schreibwerkstatt 3/6: Konstruktives und wertschätzendes Feedback.”

  1. Bericht von Fritz, der die von der Firma “Fetter” gestellten Eimer befüllt.

    Herr Smith brachte es nicht fertig, die Praktikantin Valerie rauszuwerfen.
    Im Büro schlief sie ständig ein, verursachte lediglich Papierstau.
    Hier draußen an der von ihm höchstpersönlich verordneten frischen Luft war sie auch nicht sonderlich bemüht.
    Nicht einmal die Zollstöcke konnte sie richtig zusammenklappen, alles musste ich nochmal machen. Naja, mein geologischer Perfektionismus. Irgendwas hat sie ja an sich. Nichts klappte, aber so ein Zollstock, den hielt sie als sei er ein feingliedriges Lebewesen. In dieser Hitze schien die Luft zu glühen und auch die weiß-roten Zollstöcke glühten. Valerie verbrannte sich nicht, behielt weiterhin ihre Kühle.

  2. Sie stand in der Grube, die der Bagger ins Erdreich gefurcht hatte und steckte das nächste Grabungsquadrat ab – einen „Claim“, der hoffentlich etwas Interessanteres als die bisher gefundenen Stücke in sich barg.
    Es war eine jener Ausgrabungen, die den Archäologen weder Ruhm noch Reichtum einbrachten. Beim Bau eines neuen Supermarktes war man auf einige alte Holzbalken und ein paar Tonscherben gestoßen. Zu wenig, um eine wirkliche Sensation zu sein, zu viel, um es einfach zu ignorieren und die Fundstätte im Beton des Fundaments für alle Ewigkeit zu beerdigen. Also hatte man einen Baustopp verhängt und ein Archäologenteam angefordert, dem Maria angehörte.
    Die Radiokarbonmethode hatte ergeben, dass die Tonscherben römisch waren, nicht ungewöhnlich für diese Gegend. Allerdings war es nur Alltagsgeschirr eines Bauern oder Soldaten, keine bemalten Amphoren oder Kultgegenstände. Die Scherben würden es kaum ins örtliche Museum schaffen. Man hatte den Archäologen zwei Wochen Zeit gegeben, durch einen spektakulären Fund das Gezeter des Bauleiters zum Schweigen zu bringen, der jeden Morgen am Rand der Grube stand und lautstark verkündete, dass er alle verklagen würde und jeder Tag, an dem nicht weitergebaut wurde, eine sechsstellige Summe kostete.
    Es war schon später Vormittag, die Sonne stand hoch und die Schatten waren kurz. Maria war froh, einen breitkrempigen Strohhut zu tragen. Ihre Arme waren nach ein paar Tagen in der Junisonne schon gebräunt. Sie mochte die Arbeit im Freien. Archäologie hatte sie immer fasziniert und als Kind hatte sie alle Bücher über Carter und Schliemann gelesen und davon geträumt, auch einmal eine verschollene Stadt oder ein reich bestücktes Grab eines Pharaonen zu entdecken. Sie hielt an ihrem Kindheitstraum fest und studierte Archäologie, gegen den Willen ihrer Eltern, die sie lieber als schicke Anwältin oder Steuerberaterin im maßgeschneiderten Kostüm gesehen hätten. Bis zum Studienende verdiente sie sich ein paar Euro bei lokalen Ausgrabungen wie dieser hier, um möglichst unabhängig vom Geld ihrer Eltern zu sein. Natürlich war es langweilig, jeden Tag nur ein paar Zentimeter voran zu kommen und außer Abfall nichts zu finden, aber zumindest war sie draußen in der Sonne, während sich alle Anwälte und Steuerberater in ihren stickigen Büros mit nervigen Mandanten herum schlugen.
    Maria maß noch einmal nach, ob das Planquadrat richtig abgesteckt war – Genauigkeit ist in der Archäologie immens wichtig, das wurde schon seit der ersten Studienwoche gepredigt. Sie war ganz vertieft und hörte deshalb erst nicht, wie jemand ihren Namen rief. „Maria“ flüsterte die Stimme nahe der Grubenwand. Maria schaute sich um, aber da war niemand. Ihre Kollegen waren am anderen Ende der Grube mit dem Fund des Tages, einem gut erhaltenen Tonkrug, beschäftigt und diskutierten darüber, ob er wohl Kürbiskerne oder Weizen enthielt. „Maria, warum störst du uns?“. Da war die Stimme wieder, diesmal eindringlicher und fast anklagend. Sie schien aus allen Wänden um sie herum zu kommen. Maria erstarrte vor Schreck….

  3. TRAUM – RAUM

    Viel zu tun – ob ich je fertig werde? Und das bei dieser Hitze!
    Ich messe und messe – immer wieder. Die Zahlen stimmen nicht. Was habe ich mir bei der Planung nur gedacht? Und all das soll ich jetzt alleine bewältigen?
    Ich höre sie schon, die spöttischen Stimmen….Es war ja nicht anders zu erwarten! Dieses Projekt alleine zu wagen – noch dazu als Frau! Ob sie etwa Recht haben? Gut möglich. Aber ich habe auch Recht. Hier soll MEIN Raum entstehen. Mein Traum-Raum. Mein Frei – Raum.
    Nein! Ich gebe nicht auf. Es ist alles da, was ich brauche: Material, Werkzeug und strahlendes Wetter. Und meine ungebrochene Motivation. Mein Herzenswunsch, der mich leitet. Alles wird gut.

  4. Diese achtzehn Minuten, wie gibt man Feedback habe ich sehr spannend und informativ gefunden. Habe ich ja noch meine ersten Feedbacks, die ich vor dreißig bis vierzig Jahren bekommen habe, in mir, die mich offenbar noch immer sehr prägen.
    “Das gefällt mir nicht, das ist nicht gut, jeder Satz muß sitzen und ich weiß auch nich,t wie es besser geht!”
    Uj, uj, uj, das verstand man damals offenbar unter konstruktiver Kritik, die natürlich sehr sehr wichtig ist, denn nur so kommt man mit dem Schreiben weiter, daß man heute in den Schreibwerkstätten zuerst einmal ein solches Video vorgespielt oder einen Zettel bekommt, wo draufsteht, daß man wertschätzend urteilen und damit beginnen soll, was einem gefällt, ist also sehr sehr wichtig. Mir würde da noch fehlen, daß jede Kritik subjektiv ist “Ich sehe das so!” Und dann ist natürlich wichtig, daß das Feedback von mehreren kommt, so kann man sehen, was vielleicht wirklich fehlt und geändert gehört, es sollte aber auch mit der inneren Stimme verglichen werden. Eine Gefahr der Runde ist vielleicht, bei noch nicht so geübten Feedbackern, die Gruppendynamik, der erste sagt etwas, die anderen schließen sich an, dann kann es sehr leicht in eine falsche Richtung laufen, da muß man vielleicht vorsichtig sein. Das Satz für Satz durchgehen von einem geübten Feedbacker kann sicher konstruktiv sein. Eine Frage hätte ich noch zu den Fragen. Denn da denke ich, ist es ja die Technik von manchen Kriminalromanen, daß sie sich von Frage zu Frage weiterhanteln und so die Handlung und die Spannung aufbauen. Eva Rossmann tut das, glaube ich, sehr intensiv. So und jetzt nach soviel Feedback hinein in den positiven Schreibetag. Ein Feedback möchte ich noch geben, ich weiß nicht, ob es Zufall ist, aber so ein kleiner Schreibworkshop zu Beginn der Ferien ist ein wunderbarer Start in meine Sommerfrische, die ich gerade beginne und die fange ich ja gerne mit einem Schreibworkshop an, den ich mir meistens selber machte. Vielen Dank dafür, daß ich ein bißchen üben kann, bevor es nächste Woche in den großen öffentlichen Schreibwerkshop geht und wir zuschauen können, wie die großen Kritiker öffentlich kritisieren und manchmal dabei auch sehr große Fehler machen

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