Ich frage Henry Miller, und er antwortet.

Wie soll ich denn meinen kommenden Roman schreiben? Mit welcher Sprache? Mit welcher Schreibhaltung?

Ich nehme ein wichtiges Buch. Sexus. Ich öffne es, an einer zufälligen Stelle. Ich lese folgendes:

Ich weiß nicht, was zum Teufel ich zuerst niederschreiben soll. Es gibt so viel zu sagen.

Ich habe nämlich das Gefühl, als würde ich platzen. Tatsächlich ist mir das Elend der Welt völlig gleichgültig. Ich nehme es als gegeben hin. Was ich möchte, ist, mich aufzuschließen. Ich bin wie ein Schwachsinniger mit einem Büchsenöffner in der Hand, der sich fragt, wo er anfangen soll, die Erde zu öffnen. Ich weiß, dass unter all dem Dreck alles wundervoll ist. Ich bin dessen sicher. Ich weiß es, weil ich mich selbst meistens so wundervoll fühle. Und wenn ich mich so fühle, erscheinen mir alle wundervoll … alle und alles … sogar Kieselsteine und Pappestücke … ein im Rinnstein liegendes Streichholz … alles … ein Ziegenbart, wenn du willst. Darüber möchte ich schreiben – aber ich weiß nicht, wie … ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht ist es zu persönlich.

2 thoughts on “Ich frage Henry Miller, und er antwortet.”

  1. Alle sind am platzen. Alle. Und ich gebe Jancak recht. Wer Miller lesen will soll es tun, wer Hemingway lesen will soll es tun, wer Hesse lesen, Zweig, und den ganzen Rest lesen will: soll es tun.
    Allerdings: platzen tun deswegen weiterhin alle.
    Alle sind am platzen.
    Da kann der Miller mit seinem Büchsenöffner jonglieren wenn er will, es interessiert ja niemanden in Wahrheit, was der Miller mit dem Büchsenöffner macht, oder nicht macht. Oder schau ich ein youtube von Thomas Bernhard, dem war es auch immer dringlich. Na der platzt dann im Interview, die immer großartig sind.
    Trotzdem platzen alle weiter.
    Geplatzt wird nonstop: 24/7, dazwischen geht mal eine rauchen und redet über Celine oder Camus. Und dann?
    Platzen alle weiter.
    Ok! Wie der Miller das meint ist schön. Da geht man mit. Gemeinsam platzen. Wie Luftballons die immer höher steigen, der Sonne entgegen…bis sie platzen. Dann platzen alle irgendwie gemeinsam.
    Und dann?
    Steigen die nächsten Luftballons, bis sie platzen…

  2. Aber letztlich muß es natürlich wie Wollinger sein und da sind wir schon wieder bei der Diskussion wieviel der Autor lesen soll oder muß? Lesen kann man ja meistens “Viel viel viel!”, die meisten Autoren scheinen das dann weniger zu tun, um, wie sie sagen sich nicht von Satre, Miller etc beinflussen zu lassen. Ich selber halte es mit dem Lesen und lerne auch sehr sehr viel davon, zuviel darf man sich davon natürlich nicht beeinflußen zu lassen, bei mir wird dann aber sowieso eine “Jancak” daraus und so soll es ja auch sein. Viel Erfolg und einen schönen eigenen Schreibbeginn!

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