Das Schöne ist schwer, weil es uns zu einer Wahrheit führt.

… aber man kann nicht geistreich dichten lernen,

so ausführlich auch alle Vorschriften für die Dichtkunst, und so vortrefflich auch die Muster derselben sein mögen.

Die Ursache ist, daß Newton alle seine Schritte, die er von den ersten Elementen der Geometrie an, bis zu seinen großen und tiefen Erfindungen, zu tun hatte, nicht allein sich selbst, sondern jedem andern, ganz anschaulich und zur Nachfolge bestimmt vormachen könnte;

kein Homer aber oder Wieland anzeigen kann, wie sich seine phantasiereichen und doch zugleich gedankenvollen Ideen in seinem Kopfe hervor und zusammen finden, darum weil er es selbst nicht weiß und es also auch keinen andern lehren kann.

Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. § 47.

Die Philosophie der Kunst. Ein ARTE-Video über den Schaffensprozess, über das, was Kreativität ist, über die Wichtigkeit des Making-Of: Die Philosophie der Kunst.

Das Schöne ist schwer, weil es uns zu einer Wahrheit führt. Und die steckt im Geschenk der Kunst, nicht im bloßen Konsumieren.

Paul Clavier

4 Gedanken zu „Das Schöne ist schwer, weil es uns zu einer Wahrheit führt.“

  1. @JuSophie: der sechste Satz also. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube ich meinte es so: Wenn Schönheit nicht wahr sein soll, dann vl. aus dem Grund, weil sie nicht ewig ist? Ein einfaches Beispiel: Liz Taylor. Ihre Schönheit ist auf Zelluloid Wahrheit. Für immer? Ich denke im sechsten Satz hab ich gemeint, daß Schönheit vergänglich ist und Wahrheit ist ewig. Deswegen sind wir skeptisch bei Schönheit. Letztens hab ich auch in einem Filmdialog sinngemäß erfahren: schöne Frauen kennt niemand. Weil die Schönheit der Frau das eigentliche Wesen verschleiert und sie deswegen unerkannt bleibt. Das ist dann wieder doppeldeutig: Niemand kennt schöne Frauen. Weil man hier auch an Warhol anknüpfen kann: entweder alle sind schön oder keiner. usw. Ich glaube das hab ich gemeint. Schönheit streckt sich aus der Zeit/Raum Dimension bis zu den Enden der Wahrheit die dann wieder ewig sind. Sogesehen ist beides wahr. Schönheit ist wahr in der Schönheit der Wahrheit, außerhalb der Raum/Zeit Begrenzung und nicht wahr innerhalb dessen. Wegen der Nichtewigkeitsdimension.
    Ungefähr das hab ich gemeint, sicher bin ich mir aber nicht mehr.

  2. @Fred:Die ersten 5 Sätze der Überlegungen sprechen mich an.Dann gibt es einen Satz den ich verstehe ich gar nicht. Das jiddische Beispiel ist kulturelle subjektive „Wahrheit“(Opferhaltung eines Volkes)…wir wissen ja dass es keine absulute Wahrheit gibt, aber Wahrheiten die sich in der erfahrung decken…und Schönheit hat etwas mit einer gewissen Regelmäßigkeit von Konturen, Ausstrahlung SYmmetrie zu tun, real oder eben gefühlsmäßig wahrgenommen. „Bei mir bist du scheen“ sweist wieder auf die subjektive Wahrheit hin….

  3. Da finden sich gleich zwei große philosophische Grundprobleme. Was ist Schönheit, was ist Wahrheit? Ist die Wahrheit nicht schön? Oder darf sie nicht schön sein, weil irgendjemand was dagegen hat, damit wir glücklich und zufrieden im Status Quo suhlen. Ist die Schönheit nicht wahr? Darf sie nicht, weil auch wieder jemand was dagegen hat, um die Zustände als gegeben und unabänderbar hinzunehmen?

    Ein Bespiel:

    „Zehn Maß Schönheit kamen auf die Erde herab. Jerusalem bekam davon neun Maß. Die übrige Welt eins. Zehn Maß Leiden kamen auf die Erde herab. Jerusalem bekam davon neun Maß.“ – Jiddisches Sprichwort

    Ist das wahr?

  4. Erst wenn du entdecken kannst, dass die Schwere der Wahrheit auch Schönes hervorbringen kann, hast du Schöpferisches „verstanden“. und: making of a poem deckt viel deutlicher die (wenn auch komplexen) Gründe auf, unterscheiden sich aber im Wesentlichen nicht vom making of science. Dort kann man/frau Wissenschaftler – in sich leichter verbergen, daher hat Kunst das „Verbergen“ für sich entdeckt als AusdrucksKRAFT und als Anziehungsmagnet. Siehe Arnulf Rainers „Übermalungen“ in denen er sich schon sehr lange und intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

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